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Dienstag, 8. Dezember 2009

Happy X-Mas (War Is Over)

Ein Traum in Glitzer...
Nun ist wieder eine Woche rum, ein langes Wochenende auch und heute melde ich mich mit Neuigkeiten von meiner Wohnsitutation, mit Weihnachtseindrücken und noch einigem zurück, das wohl unter „Sonstiges“ fällt.
Der Titel liegt heute am Datum und passt glücklicherweise zu mindestens einem Thema.
Fangen wir an mit meiner Wohnung. Ich wohne jetzt im (je nach Lichtverhältnissen) wunderschönen Pintak Court, ungefähr 10m Luftlinie hinter dem Hotel, in dem meine Nächte in Thailand begannen. Es ist ein Komplex, der aus zwei Gebäuden besteht, mit Wohnungen in mindestens 2 Größen. Wenn man herein kommt, steht man erst einmal unter dem größeren Gebäude und fühlt sich ein wenig wie in einer Tiefgarage. Wenn man sich davon jedoch nicht entmutigen lässt, dem Wachmann(24h Security, mir kann also überhaupt nichts passieren;) ) Hallo sagt, dann sieht man, wieder unter freiem Himmel einen kleinen Hof, auf dessen anderer Seite ein 6 stöckiges Haus liegt. Die Farbe blättert an ein paar Stellen, aber das macht nichts. Es gibt sogar einen Swimming Pool, doch hab ich den bis jetzt nicht entdeckt.
Mein Einzug begann also am Donnerstag Abend, denn irgendwie hatte ich mein Zimmer über der Pizzeria doch nicht so richtig lieb gewonnen.
Nach der Arbeit also, alles schon gepackt, hatte ich mir den heißesten Tag seit langem ausgesucht um mal wieder in die oberste Etage zu ziehen und zu bemerken, dass ich schon wieder weit über Sturmgepäck hinaus bin und einkaufen gehen eben doch auch andere Konsequenzen hat…
Nach ca. 2 Stunden war ich aber soweit umgezogen ausgepackt und aufgehängt um daran zu denken, was ich jetzt wohl essen könnte, was ich zur Verschönerung des Raums beiträgt und wie es sich wohl schläft.
Ein paar Fragen ließen sich auch schnell klären, denn Nahrung gibt es ja bekanntlich immer und als das Feuer in meinem Mund langsam nachließ, fiel ich auch schon müde ins Bett.
Mein Zimmer jetzt ist also sauber, mit Kühlschrank, Bett, Tisch und ein paar Schränken sowie einem Bad komplett mit Möbeln und ich konnte mich sogar wieder mit einem Spiegel rasieren, eine Versuchung,d er ich aus Nostalgie fast nicht nachgegeben hätte, aber da ich die interessanten Muster in meinem Gesicht nicht vermisse, nahm ich das Angebot doch an.
Eine warme Dusche hab ich auch wieder, die Wahl zwischen Klimaanlage und Ventilator, und sogar direkt nebenan ein Restaurant mit gutem Ruf(„Just One“).
Hier werde ich wohl die nächsten paar Monate zubringen und jetzt, nachdem ich an diesem Wochenende endlich die Möglichkeit geschaffen habe, Kaffee zu machen, kann ich auch wunderbar brütend tief in der Nacht über meinen Welteroberungsplänen sitzen und schwarzes Gold trinken;)

Davon abgesehen konnte ich das lange Wochenende(der König hatte ja Geburtstag – 82 stolze Jahr) nicht so nutzen wie ich wollte, nach Chiang Mai gab es schon Anfang der Woche keine Tickets mehr(obwohl ich stolz auf Thai mein Anliegen vortragen konnte. Ich konnte sogar sagen, dass ich am 4. Dezember einen Schlafwagen in der zweiten Klasse wollte…) und nach Kenchanaburi(zur Death Railway) ging es auch nicht, weil ich alleine kein Bock hatte…
Stattdessen habe ich die Zeit genutzt um mich inmitten einer französischen Siedlung,(also gefühlt, die einizgen Thais, die ich gesehen habe, waren Angestellte - und inmitten der schweren Rotweinwolken hörte ich erstaunlich oft "Ouai" und anderen französischen Small Talk), dem Carrefour Kaufhaus auf der Rama IV mit ein paar nötigen Dingen einzudecken(Alkohol und Süßigkeiten) sowie einem Mülleimer und so…dabei habe ich entdeckt, dass die Thais sich mit Salzsäure die Haare waschen und das Gefühl, dass jemand einem eine mit Widerhaken besetzte Nadel unter die Kopfhaut sticht um dann eine Mischung aus Salz und flüssigem Blei über den Kopf zu gießen, als „erfrischend- sauberes Gefühl“ empfinden. Na ja, wenigstens leuchtet das Shampoo schön blau – irgendwo hab ich auch ein Bild davon.
Ich kann Kaffee nachen!!

Die Zutaten meiner ersten Mahlzeit im neuen heim: Ramen Nudeln, Sojabohnen, Chilis und Broccoli(denn keine Mahlzeit ist vollständig ohne Broccoli)


Und so lecker sieht es dann fertig aus...

Den Rest des Wochenendes verbrachte ich mit ausgiebigen Spaziergängen, romantischer Musik bei Kerzenschein und mit Zuhören. Fast.
Also die Spaziergänge stimmen, denn ich wollte mal ausprobieren, ob Bangkok wirklich so Fußgänger unfreundlich ist, wie ich dachte. An den Hauptstraßen gibt es Bürgersteige, aber an Hauptstraßen entlang zu laufen, macht eben auch wenig Spaß, zumal dann auch die Sonne noch täglich brennt.
Auf Maloche plane ich momentan die Weihnachtsfeier für die KTN des Goethe Instituts und für Schüler aus umliegenden Schulen. Es wird Kekse (alkoholfreien) Glühwein zuerst und später welchen mit Schuss geben; Plätzchen, einen Weihnachtsmann, dass Lukasevangelium und und und... Aber ohne mich, denn ich bin dann am Flughafen und hole Imke ab und dann trennen uns nur noch ein paar Tage von Weihnachten auf Ko Wai! :)
Also hab ich Ablenkung in den kühlen Weiten des Weihnachtsrummels gesucht.
Die großen Kauf- und Bürohäuser lassen es sich natürlich nicht nehmen, alles weihnachtlich zu gestalten und die sehr homogen buddhistischen Thais mit dem Geist von Jesu Geburt anzustecken und Schneemänner und Winterlandschaften in die Sonne zu stellen.
Das Siam Paragon hat einen Kristallweihnachtsbaum aufgestellt, neben riesigen Weihnachtskugeln, die als Springbrunnen umfunktioniert sind und es wurden riesige Bögen aus Mistel- und Tannenzweigen gespannt.
Dazu laufen ehrliche alte Weihnachtslieder („Stille Nacht“, „O Tannenbaum“) - übrigens wirklich auf Deutsch – und es fühlt sich fast so an, wie auf einem deutschen Weihnachtsmarkt. Fast, wie gesagt, denn die Biergärten, die vor dem Central World stehen lassen auch den imposanten, 15 Meter hohen Weihnachtsbaum etwas von seinem ehrlichen Charme einbüßen und während ich so gemütlich mein frisches Hemd voll schwitzte, kam mir immer wieder der Gedanke, dass die wirklich immer früher anfangen, mit dem Weihnachtskram. Es fühlt sich einfach nicht an wie Weihnachten. Viel zu warm. An Weihnachten gibt es keine Palmen, keine tropische Hitze, es passt einfach alles nicht. Aber dann wurde ich zum Glück doch noch versöhnt. Als ich eins der besagten Kaufhäuser betrat und mir dann doch winterliche Temperaturen entgegen schlugen, wurde mein Herz von etwas berührt, dass dann doch den Weihnachtsgeist in mir anregte. Hinter all dem viel zu überladenem Konsum, der Werbung, den unpassenden und kitschigen Dekorationen draußen, hörte ich „Last Christmas“ und alles war wieder gut.

Weihnachten kann kommen.


Was man auf diesem Bild nicht sieht, sind die 30° im Schatten um 09.00Uhr morgens

Quantität statt Qualität
Die Palmen zerstören den Gesamteindruck etwas...
Weihnachten wirft seine Schatten - oder bin ich das bloß?
Hübsch, aber küssen musste ich ihn nicht...;)


Und so bezaubernd sieht es dann Nachts aus...


Gruselig irgendwie...

Dienstag, 1. Dezember 2009

Moving to L.A. (oder so...)


Zum Ausgleich für die letzte Woche fange ich diesmal mit einem spirituellen Bild an...

Nachdem die letzte Woche ein wenig negativer klang(zumindest subjektiv) hatte ich in der letzten Woche eine kleine Atempause. Dies war auch nötig, denn in der Zeit ärgerte ich mich leider ein wenig mit meiner Entsendeorganisation herum, die anscheinend nicht verstand, dass es für mich ein wenig problematisch ist, 6 Monate alte Kontoauszüge von nicht mehr existenten Konto zu beschaffen. Aber lassen wir dies hinter uns…alles ist eins, wie der Buddhist so schön sagen würde.
Abgesehen davon brachte die letzte Woche mir einen (hoffentlich) temporären Umzug von ungesicherten, prekären Wohnverhältnissen in romantische prekäre.
Also genau das richtige Maß an Dreck, um es mit „The Beach“ aufzunehmen und jeden Luxusverachtenden Hardcore Backpacker zu erfreuen und genug, um abends zu versuchen, möglichst lange woanders zu sein – es ist gut für Überstunden;)
Wie kommt es zum kurzfristigen Umzug? Nun, mein Zimmer im „Laundry 88“ (was übrigens uneingeschränkt zu empfehlen ist!) war leider ab dem 29. November wieder belegt. Deswegen musste ich dann auch raus. Da aber meine neue Wohnung(hoffentlich) erst ab dem 2. oder 4. Dezember frei ist, musste eine Zwischenlösung her, was ich nicht wirklich das ‚going native‘ erproben wollte.
Meine Wahl fiel(aus Gründen der Bequemlichkeit) auf eins der zahlreichen Guest Houses in meiner Straße und (aus Gründen der Finanzierung) auf ein bestimmtes über einem italienischen Restaurant. Es ist ein einfaches Zimmer mit Bad und Ventilator(was bei den jetzigen lauschigen Temperaturen von lächerlichen 32° reicht) und Bett und Stuhl. Was fehlte, sollte ich erst zu spät bemerken…
Nun ja, da Bangkok auch für Leute wie mich gefährlich verführerisch ist, habe ich mittlerweile doch viel mehr Zeug als ich brauche(ich glaube in weniger als 3 Monaten Bangkok habe ich mir mehr neue Klamotten gekauft als min 3 Jahren Marburg) und so war leider doch nicht alles in einem Gang zu schaffen. Wenigstens bot ich den Leuten auf der Straße ein Schauspiel und manchen bestimmt auch noch etwas Gewinn, denn ich schwöre, sie haben gewettet, wie viele Tüten ich beim nächsten Mal trage;)
Aber durch Autosuggestion(„Sie lachen immer MIT Dir..“) war ich dann doch nach 3 Mal gehen fertig und konnte meine Sachen auspacken – dachte ich.
Denn: auspacken geht nicht wirklich in einem Zimmer in dem der Schrank fehlt und in dem ich darauf achte, immer etwas zwischen meinen Sachen und dem Boden liegen zu haben…
Ein paar Dinge wie Handtuch und mein (wahrscheinlich nie wieder benutztes) Sakko konnte ich auf meine Wäscheleine über dem Bett hängen, die aus einem missbrauchten Internetkabel und meinen Knotenkünsten besteht , der Rest ist in strategischen Häufchen und Türmen auf dem Boden verteilt – aber immer mit Untersetzer.
Ich hätte eine perfekte Sicht nach draußen auf die Straße, wenn da nicht die Stahllamellen vor wären, aber wenigstens lassen sie Luft rein(und Mücken wie ich gemerkt habe – 6 Stiche in einer Nacht ist Rekord J ) und durch meine Anbindung an „Kenny’s Guest House“ direkt nebenan und dem „Budget Hilton“ in direkter Nähe habe ich einen guten Einblick in das Leben der britischen Sexpats und thailändischem Techno genießen können. Übrigens riecht italienisches Essen gar nicht so gut, wie viele behaupten…vielleicht ist es aber auch nur die Mischung mit den Düften in meinem Zimmer.
Als Ersatz für einen Spiegel im Bad habe ich eine schicke Neonröhre bekommen und in Kombination mit der Lampe unter der Decke habe ich auch tatsächlich genug Licht, um mit jedem Satz den ich lese, die verlorenen Dioptrien abzustecken;)
Falls mich übrigens irgendwelche Biologen besuchen wollen, beeilt Euch, bald verlasse ich meine Schimmelkultur im Bad;)
Aber erstaunlich gut habe ich trotzdem geschlafen, denn ich bin nicht mehr auf der Sonnenseite, das macht die Hitze des Tages viel(!) erträglicher… Und: ich bin wieder 5 Minuten näher an Goethe Institut, Lumpini Park und U-Bahn, wenn alles klappt ziehe ich das ächste Mal wieder 5 Minuten näher an alles. ich mal irgendwann mal eine Karte meiner Umzüge:)

What else? Hmm…Ah ja, ich war mal wieder in Ayuthaya! War auch das zweite Mal schön und dank meiner perfektionierten Organisation war es auch kein Problem, ganz alleine(also ohne Begleitung anderer Deutscher) den Trip zu organisieren und durchzuführen.
Den Zug haben wir gut bekommen, wieder ein TukTuk gemietet und ich hab es sogar hinbekommen, ganz unauffällig ein paar andere Sachen zu sehen.
So gab es diesmal den berühmten Buddhakopf in den Baumwurzeln(siehe oben), Elefanten von ganz nahem(aber ich bin nicht geritten!) und einen chinesischen Tempel mit dem ältesten großen Buddha Thailands.
Wieder hat mich die unheimliche Atmosphäre des Ortes eingefangen, wieder die merkwürdige Diskrepanz zwischen TukTuk Karren von einem Tempel zum anderen irgendwie irritiert und wieder war ich beeindruckt von der Alltagstauglichkeit des thailändischen Buddhismus. Es ist vollkommen normal, mitten im Gebet an sein Handy zu gehen, Fotos von allen Dingen zu machen(auch in Posen mit Peacezeichen) und es wird selbstverständlich überall gegessen und getrunken.
Andererseits habe ich auch die Grenzen der Toleranz gespürt: es wird nicht geduldet, wenn man ein Bild macht, bei dem man sich hinter eine kopflose Buddhastatue kniet, so dass man wie der Kopf der Statue aussieht, es wird auch nicht geduldet, dass man größer als der „eingewachsene“ Kopf des Buddha ist(man muss knien) und wird man mit solchen Bilder erwischt, wird man freundlich aufgefordert, diese zu löschen.
Auch schlechtes Benehmen ist es, an die Stelle einer Statue oder auf das Gleiche Bild zu gehen und die Pose nachzuahmen…ähnlich unpassend, wie vor einem Bild der Kreuzigung den gekreuzigten Jesus zu spielen. Und auch, wenn die Thais nichts sagen, heißt das nicht, dass man gerade nicht allen Respekt verloren hat und alle Vorurteile über die dummen und unkultivierten Farangs bestätigt hat.
Mir hat der Ausflug sehr viel Spaß gemacht, nur leider meiner burmesischen Begleitung scheinbar nicht…zu heiss und zu viel rumlaufen;) Na ja, nächstes Mal gehen wir wieder shoppen:)
Diese Woche freue ich mich auf meine Wohnung, auf das Open Air Kino, das am Mittwoch anfängt(mit Hanami) und auf das lange 3 Tage Wochenende zu Ehren des Königs Bhumipol! (Hoch soll er leben!), das ich vielleicht nutze, um nach Chiang Mai zu fahren(dauert 10 Stunden…).

Ansonsten bis bald und auch wenn es nicht viel Neues gibt, soll es doch ein paar Bilder geben und gute Laune für alle in die neue Woche…Dann erzähle ich was über Weihnachten;)


Das isser, der Riese...


In der verbotenen Erobererpose(aber es hat grad kein Thai geschaut;) )

Ganz entspannt im Hier und Jetzt, denn früher gab es hier nur Krieg...


Natürlich darf mein Lieblingsgott nicht fehlen:)

Extra für Imke: der dicke Buddha mit den Schweinen an seiner Seite

Und am Ende kommen doch Touristen...



So weltlich können Opfer sein - auch Götter sind nicht zu alt Winnie the Pooh!





Meine alte Heimat...man mag das Chaos verzeihen

Mein altes Bad


Mein jetziges Zimmer, Chaos aus Platzmangel, da war erst die Hälfte meiner Sachen hier;)

Mein neues Bad:)




Nachtrag: Gerade bin ich angerufen worden, dass ich morgen in meine neue Wohnung kann:)

Montag, 23. November 2009

Something Stupid…

...ich würde an dieser Stelle ja gerne wieder Menschen, Tiere, Sensationen(mindestens!) bieten, doch irgendwie hat diese Woche da nicht viel Potential zu…deswegen hier nur Zufälliges und ein paar Begebnheiten der letzten Woche.
Irgendwie hat beim Schreiben nichts ein solches Gewicht, wie die Aufgabe, absolut nichts zu stemmen…Packen wir es also an, was brachte diese Novemberwoche, die letzte, bevor die Adventstage beginnen?
Einen Montag mit ohne Ladenschluss; gut, dass ist hier in Bangkok normal, doch auch ich hatte einen sehr späten, denn nach Einigem Hin und Her, kafkaesken Briefwechseln mit deutscher Botschaft in Yangon und myanmarischer Diktatur Regierung auf der anderen Seite, hieß es dann doch, dass jetzt due zweite Gruppe aus Burma schon am Montag ankommen sollte.
Das Vorspiel dazu lief folgendermaßen: Freitag(wir erinneruns uns: ich bin noch in Khon Kaen…) ruft mich die Leiterin der Sprachabteilung an, als ich gerade dabei bin, in feinstem West Virginia Bauernenglisch meine eigene Person vor dem versammelten Dekanat der Khon Kaen Uni vorzustellen. Mein späterer Rückruf ergibt, dass die Gruppe am Montag kommt, um 10.35h vormittags und ob ich sie abholen könne, denn sie ist leider noch in Chiang Mai. Routiniert sage ich ja, und unser Gespräch endet mit der Vereinbarng, dass alle wichtigen Infos auf meinem Schreibtisch(ja! Ich habe einen eigenen Schreibtisch! Zwar der kleinste im Institut, aber meiner…)liegen werden, inklusive deren Taschengeld und weiteren Instruktionen(was immer die auch sein mögen). Gut, auflegen, Verdrängen.
Samstag, eine SMS: „die kommen doch nicht, haben noch keinen Reisepass bekommen“.
Sonntag morgen, ich würde gerne ausschlafen, SMS um 08.01Uhr morgens: „Sie kommen doch!“
Zu müde um drüber nachzudenken…
Montag morgen erwartet mich eine E-Mail einer Mitarbeiterin der Botschaft mit der b Itte um Entschuldigung, dass sie jetzt doch nicht kommen und dass es ihnen auch Leid tue, aber die Behörden in Myanmar hätten Kernkompetenzen, die nicht im Fokus auf Kooperation liegen, die Lehrerinnen kommen erst am Mittwoch.
Schön, denke ich, Atempause.
Dann gegen 11.0Uhr Ortszeit erreicht uns alle(warum alle hier weiß auch keiner) eine unkommentierte Mail mit Inhalt einer Flugbestätigung.
Heute, 21.35Uhr.
Keiner weiß, was los ist, die Einzige, die es wissen könnte ist noch in Chiang Mai, wollte aber mittags vorbei kommen. Also spielen alle das ganz normale „War was?“ (siehe übrigens auch bitter ) und wir warten.
Und warten…
Und warten…
Als wir einsehen, dass auf besseres Wetter warten nichts bringt bei 35° und Sonne, kommt dann doch noch die ersehnte Antwort herein, um ca. 16.00Uhr.
Bringt aber leider auch keine neuen Erkenntnisse, vielmehr wird eher eine befürchtete Ahnung zur Tatsache.
Alle hier wissen natürlich, wer auf relativ gut Glück zum Suvarnabhum fahren darf.
Ich war also um 21.00Uhr da. Und wartete.
Und wartete.
Und wartete.
Und wartete.
Eine Uhr läuft mit bösem Blick nicht schneller und ein verzweifelter Blick in die den Flugzeugen aus der ganzen Welt entströmenden Menge verwandelt leider niemanden darin in eine burmesische Lehrerin auf der Suche nach einem Schild vom Goethe Institut.
Gut, ich hatte auch noch keins, aber um 23.00Uhr beschlich mich dann eine Panik und mithilfe eines fast sauberen Zettels und eines fast Goethe-grün schreibenden Kugelschreibers bastelte ich mir mein Eigenes.
Um 23.30Uhr war es dann wieder Zeit für einen historischen Moment: ein paar fragende Augen richteten sich auf mich, formulierten auf Deutsch die Frage, ob ich vom Goethe Institut sei und folgten dann mit der Aussage, dass die Kolleginnen noch hinten seien und sie diese eben noch abholt. Dieser Flughafen ist übrigens tatsächlich unübersichtlich und mit jedem Mal, die ich dort bin(was immerhin schon 10-mal der Fall war in gut 2 Monaten), bin ich fasziniert davon, wie die ganzen Menschen sofort den Ausgang finden können…
Lange Geschichte knapp zusammen fassen:
Um 00.30Uhr war ich im Bett, hatte die Frauen im Guest House abgesetzt, mit dem Versprechen auf morgige Abholung, ein wenig gezwungenem Small Talk und fiel irgendwann dann doch in einen Schlaf.
Die Woche selber brachte nicht viel Spannendes, außer, dass irgendwie die Stimmung nicht so entspannt scheint, wie bei der ersten Gruppe. Dafür mache ich wohl diesmal einen offeneren Eindruck, denn am Dienstag um 22.00Uhr klingelte mein Telefon, am anderen Ende war ein freundlicher junger Mann namens Stan, der mir erklärte, dass er gerade mit den Frauen aus Burma am Victory Monument stehe und sie nicht wüssten, wo sie hin müssen. Ob ich ihm sagen könne, was er dem Taxifahrer sagen soll…

Sonst war ein Highlight, dass wir am Freitag im Kino waren, denn im Moment ist hier das European Film Festival, mit Filmen aus ganz Europa(wer hätte das gedacht?!) und dem Film „La Paloma“ als deutschem Beitrag.
Der Film ist eine Dokumentation und beschäftigt sich mit der Herkunft des Liedes, dass ihn Deutschland (scheinbar) zum besten Song des Jahrhunderts gewählt wurde(? Ich wurde aber nicht gefragt…- und wieso taucht dieser großartige Song denn nicht hier?!, also keine der geschätzten 3000-4000 Versionen…).
Fazit: der Film ist ganz nett, manches ist interessant(ich weiß jetzt, wie man eine Hawaii Gitarre stimmt und das ein Baske den Song zwischen 1850 - 1880 geschrieben hat-vielleicht auf Kuba), aber insgesamt wirkt das Konzept nicht ganz ausgegoren. Es wird gezeigt, dass irgendwo in Osteuropa;) der Song als Grablied gespielt wird, in Tanzania dagegen als Hochzeitslied, während Deutschland nur repräsentiert ist mit „Große Freiheit Nr.7“.
Auch wenn es Geschmackssache ist, hätte die Version in einem bekannten deutschen Dialekt schon irgendwie reingepasst, mir als deutschem Kulturwissenschaftler fehlte sie jedenfalls.
Was noch gesagt werden sollte, ist, dass jede Version auch einen andern Text hat, also ist nur die grobe Melodie angewendet, weswegen auch viel des Charmes der Idee nicht rüberkam.
Dafür hab ich einen kleinen Eindruck vom deutschen Winter gehabt denn im Kino war es so kalt, dass meine Nasenspitze sich in eine rote Schneemannkarotte verwandelte.
Übrigens gibt es das Lied scheinbar auch auf burmesisch(weiß ich aber nicht aus dem Film).
Abends hätte es das „Fest der Deutschen“ gegeben, aber wie es nunmal so ist, holt auch mich die Vergangenheit ein. Scheinbar habe ich im September vergessen, mich schriftlich irgendwo einzutragen, so dass ich keine Karte hatte und vor (für mich) geschlossenen Türen der exklusiven Gesellschaft stand. Angesichts meiner Laune weiß ich auch jetzt noch nicht, ob das schlecht oder vielleicht sogar gut war(denn auf soziale Anlässe und schon wieder „Gute deutsche Küche und Gemütlichkeit“ war ich gerade irgendwie nicht gepolt).
Das Wochenende verging auch irgendwie ereignislos, nur am Sonntag war ich mit „meinen Schützlingen“ auf dem Chatuchak Markt.
Es gab wieder Einiges zu kaufen (auch für mich, wobei eins wirklich aus der Not geboiren war). Die Begleiterinnen hatten am Ende jeder 6 Tüten in der Hand, so dass wohl jeder zufrieden war. Auch ich habe diesmal wieder weitaus mehr mitgenommen, als bloße Textilware aus ominösen Fabriken: die Erfahrung, bei 25° im Schatten zu frieren!
Ich dachte wirklich, jetzt ist Winter, deswegen musste ich mir auch einen Kapuzenpulli kaufen, das Beste Kleidungsstück der Welt!
Gab es leider in meiner Farbe nur noch in einer Größe, dafür habe ich jetzt eine zweite Haut und man erkennt mich sofort als deutsche Wurst;)
Also doch etwas SpannendesJ Oder so ähnlich

Und: ich darf doch nicht nach Singapur – jedenfalls noch nicht. Mein Visumsverlängerungstermin ist jetzt verschoben worden auf den 12. Dezember, denn dann sind die Flüge billiger. Und da ich der einige bin, der in den Genuss von Spesen kommt, müssen wir alle warten. Für suboptimal in mehr als einer Hinsicht, aber so funktioniert Demokratie nun mal.

Diese Woche also nicht viel wirklich Neues und auch keine Bilder, vielleicht später noch ein paar wahllose, das kommt auf meine Zeit an…

Was will ich noch mitteilen?
HAARE! Sie wachsen einfach, jeden Tag! Meine werden schon wieder ganz schön lang…

Man merkt, die Qualität lässt nach, ich brauche Urlaub...

So long und einen schönen Start in die Woche,

Micha

Mittwoch, 11. November 2009

The Wall (Part 1&2)

Sawaat Dee Khrap, meine treuen (und auch abtrünnigen) LeserInnen!
Erstmal der obligatorische Wochenrückblick -
Was ist passiert in der letzten Woche? Ach ja, es gab furchtbar viel zu tun, die geplante „Mauer“ zum 20jährigen Jubiläum des Falls derselben sollte kurzfristig noch ein paar Mal geändert werden und das Design passte nicht, und und und… Dazu kam, dass der betreffende Künstler kein Englisch und ich kein Thai – also eine perfekte Kombination. Durch die tatkräftige Mithilfe meines Kollegen Prawit(ja, ich danke auch Leuten, sozusagen als Übung für den ersten Preis, der vielleicht irgendwann doch noch einmal kommt) haben wir es dann doch hinbekommen, 4 Mauerteile mit den Maßen 200cm x 80cm x 120cm aufzustellen und das sogar dort, wo sie sollten und auch nur mit 2 Tagen und 2 Stunden Verspätung. Also alles kein Problem. Die Mauer selber ist jetzt eher eine künstlerische Interpretation(mehr als Beispielbilder schicken konnten wir ja auch nicht), aber das ist im Zweifel ja viel mehr Wert, denn nachmachen kann jeder – wir errichten unsere eigenen Mauern!
An dieser Stelle ist vielleicht doch nochmal eine kurze Zusammenfassung der (damals noch) geplanten Ereignisse sinnvoll:
Also – Mission:
Das Goethe Institut Thailand möchte zum Gedenken an den Fall der Berliner Mauer eine Veranstaltung organisieren. Dabei sollen
a) Ein Nachbau der besagten Mauer im Foyer stehen
b) Eine Eröffnung statt finden, bei der
b.1) der Botschafter ein paar Worte sagt
b.2) Berliner Spezialitäten(Weisse mit Schuss, Buletten, Kartoffelsalat und Brot) gereicht werden b.3) eine Videoinstallation zum Thema gezeigt werden: „Novembertage live: Die Fernsehbilder“(eine Collage aus den live Reportagen der Reporter aus Russland, Frankreich, England und den USA mit anschließenden retrospektiven Interviews)
b.4) eine Online Ausstellung gezeigt werden (die Qualität ist mäßig, aber bestimmt steckte ein netter Gedanke dahinter)
b.5) 2 Kurzfilem gezeigt werden: „Cycling the Frame“; „The Invisible Frame“ mit Tilda Swinton.
Beauftragter: Michael Lenz

Klingt viel - war es auch. Aber irgendwie habe ich es dann doch hinbekommen, diese Veranstaltung zu organisieren und abgesehen von ein paar Schönheitsfehlern(Warsteiner statt Weisse, nur Himbeersirup und eben die Mauer) ist sogar alles glatt gelaufen. Das Gewitter, das mittags noch über unseren Köpfen zusammenzog, um den ersten Regen(siehe „The Man Who Sailed the World“ seit zwei Wochen über unsere(meinen) ängstlich gesenkten Köpfe hereinbrechen zu lassen, tat dies dann doch lieber über den bemitleidenswerten Häuptern irgendwelcher andern Bewohner dieser Stadt.
Es waren ca. 70 Menschen da, sogar einige Thais und interessiertes Publikum das durch den Text auf dem Newsletter angelockt wurde, welchen ich eine Woche zuvor in traumhafter Prosa zu Tastatur brachte…ähem, da Eigenlob bekanntlich eher unangenehm riecht, möchte ich am Ende hinzufügen, dass ich eigentlich nicht so zufrieden war, aber dann doch lieber dem Mainstream folge und die gute Meinung über den Abend annehme.
Das Bier kam gut an, das Essen auch bei den meisten(außer bei dem, der es bestellt hat;) ) und die Filme haben es zumindest bei den Menschen, die Berlin und/oder die Mauer kennen, etwas zu berühren, so dass die Uraufführung in Thailand auch als Erfolg begriffen werden kann.
Auch wenn die Mauer nie so aussah - unsere tut es ;)

Der Botschafter redet eine Rede...
Soviel zu meiner Arbeit –
Kommen wir zur Freizeit, es geht also in der Zeit rückwärts. Um konsequent zu bleiben, fange ich am Sonntag, dem 8. November 2009 an.
Ein Tag des Shopping! Viel mehr auch wirklich nicht, aber dafür effektiv und stilgerecht, mit Starbucks Kaffee zur Belohnung am Ende. Einer dieser Läden, die ich eigentlich furchtbar finde, aber keinen Grund habe. Und abgesehen vom teuren Preis ist der Kaffee halt echt gut…genug der Werbung, um hier keine Verdachtsmomente aufkeimen zu lassen: ich mag die Atmosphäre dort drinnen nicht – ein Starbucks ist die Personifikation des hippen, gut ausgebildeten Menschen von heute. Jung, aber schon saucool im Beruf stehend. Am Besten was mit Medien. Und aufgeklärt. Arrogant, aber dadurch, dass man so toll und aufgeklärt ist, steht man drüber…Furchtbar, ein Raum wie der Schreibstil einschlägiger Musikmagazinjournalisten und „Twen-„ bzw. Trendmagazinen und deren Bohéme über allem…Furchtbar…und furchtbar, dass ich ähnlich urteile. Na ja, ich bin Privatperson und darf das oder so…Vielleicht qualifiziert ein B.A. ja wenigstens dafür? ;) Wir werden sehen…
Ach ja, ich bin ein wenig abgeschwiffen:
Einkaufen: ich brauchte unbedingt ein Jackett, denn am Donnerstag geht es auf Dienstreise nach Khon Kaen, um dort eine Ausstellung zu eröffnen, eine PASCH Plakette zu überreichen, auf Bildern zu lächeln, und schon wieder den Botschafter zu treffen. Am Samstag gibt es dann Ausflugsprogramm und Rückflug. Das entschädigt doch alles für die gemeine Abflugszeit von 07.15 a.m. (Das bedeutet für mich, spätestens um 06.00Uhr los zu fahren!).
Ich bin gespannt – auf jeden Fall sind gute Jacketts im Siam Paragon teuer. Lange Rede kurzer Sinn, ich möchte zum besseren Teil des Trips kommen. Lange gesucht, am Ende ines gefunden, mit Rabatt für knapp 2700Baht(54€). Mit Abstand das Günstigste.
So Teil zwei: ich hab mir eine Gitarre gekauft! Nach nunmehr 2 Monaten musikalischer Beinahe-Abstinenz(Rechner kaputt, CD Player is nicht…) und der Feststellung, dass mein Vater damals doch Recht hatte( besser bei harmlosen Dingen) und ich merkte, dass ich meine doch hätte mitnehmen sollen, habe ich jetzt im Central World das Recht erworben, mich stolzer Besitzer einer Yamaha F-310 Westernschrammelgitarre nennen zu dürfen. Preis war gut, etwas günstigr als in Deutschland, Klang ist gut(jedenfalls von der Gitarre, ich übe noch) und jetzt kann ich wenigstens die Nachbarn nerven und muss nicht mehr nur Kopfmusik haben. Wenn ich ganz fleißig übe, kann ich auch noch ein kitschiger Lagerfeuer-/Strandgitarrist werden der mit Klassikern glänzt…;) Dann ging es als cooler Musiker;) mit Skytrain und U-Bahn zurück und in den besagten Kaffeeanbieter…mit ein paar Stunden spielen(auf der Gitarre natürlich), Saiten stimmen, fluchen und schmerzenden Fingern wegen zurückgebildeter Hornhaut ging dann der Tag zu Ende und meine Zeit weiter, während wir im Text die Zeit zurück drehen:

Samstag, 7. November 2009:
es war wieder Zeit für einen Ausflug- Diesmal nach Mueang Boran ("Alte Stadt/Land"). Eine gigantische Anlage, die Thailand und die wichtigsten Stätten in verkleinerter Form dar stellt.
An diesem Ort versammelt sich ungefähr 90% der thailändischen Kultur, aber auch wenn jemand schon (berechtigt) einwarf, dass man dann ja nicht mehr die Rundreise machen muss, sage ich – doch! So!
Wir waren mit einem Franzosen unterwegs, der im Moment einen Sprachkurs am Institut macht und in der Nähe wohnt.
Im Angesicht der Tatsache, dass es an diesem milden Novembertag elegante 35° im Schatten hatte, haben wir uns bei der Rundfahrt gegen Fahrräder und für ein Golfcart entschieden. Fahrer war ichJ Vielleicht sollte ich Golf spielen, denn mit diesen Gefährten macht das Fahren unendlich viel Spaß, einziger Wehrmutstropfen – keine Gangschaltung, aber ich bin sicher, da kann man was machen;)
Im Park haben wir dann den Königspalast besichtigt, Ayuthaya(na, wer erinnert sich?), nachgebaut, wie es früher ausgesehen hat, ein Allee, in der traditionelle Yogafiguren(bis zur Unmöglichkeit) ausgestellt waren, haben ein Dorf auf Stelzen gesehen, eine Schulklasse;) und ganz viele Nachbauten von thailändischen Wohnhäusern im Stile verschiedener Epochen(hier aber nicht durch Zeitangaben, sondern bloß durch Königsportaits verdeutlicht . Know Your Kings;) ).
Am Ende gab es dann natürlich noch etwas zu essenJ Insgesamt wieder mal ein sehr sehr schöner Ausflug, von dem ich allerdings leider nicht all zu viel zu berichten habe, am Besten sieht man es selber – oder meine einzigartigen Bilder;)
Am Freitag davor war ich noch auf der berühmten Khao San, aber das istmal wieder eine ganz eigene Geschichte...
Jetzt bin hier erstmal fertig, freu mich über Kommentare und auf meine Dienstreise im Luxushotel(muahaha, ich wird doch noch dekadent!)


Na? Wer ist der coole Hund, der hier Gitarren testet?;)


Bis bald,
Micha

P.S.: Wow, sind das heute viele Links;) Wie immer bitte ich um Entschuldigung bei groben Fehlern, das ist immer so runter geschrieben, ohne Korrektur oder Lektor, quasi literarischer Garagenrock;)

Alles Mueang Boran:

Da oben darf man sich was wünschen:) Die "Füße des Buddha" die ihr da seht, sind Schlangen - da gibt es auch eine Geschichte zu, die ich jedem erzähle, der sie hören will;)

Yoga...
...kann ich doch auch!

Blick vom Thron im Grand Palace!
"Floating Village"

Montag, 19. Oktober 2009

Transkulturalität und Kopfschmerzen




Neuigkeiten – oder so
Ähem…was richtig Neues gibt es nun auch nicht, heute ist fast eine Woche rum, in der Zeit habe ich gelernt, dass mein Computer wohl immer noch nicht repariert ist, dass rote Drachenfrucht auch andere Sachen rot macht und dass Handykaufen in Thailand eine lustige Sache ist…
Fangen wir vorne an, also am Mittwoch hatte ich ja das letzte Mal geschrieben, abends habe ich dann die ehrenvolle Aufgabe übernommen, 5 Stipendiatinnen aus Myanmar am Flughafen abzuholen. Sie sind Deutschlehrerinnen an verschiedenen Universitäten des Landes und sind in Bangkok, um einen 4 wöchigen Sprachkurs zu absolvieren und natürlich mit Micha etwas von der Stadt zu sehen. Sie sind alle total nett und Berührungsängste waren vollkommen grundlos. Alle sprechen so gut Deutsch, dass ich mal wieder beschämt an meine Französisch und sonstigen Sprachkenntnisse denke, aber es erleichtert die Sache doch eindeutig.
Nach ein paar Orientierungsschwierigkeiten am Suvarnabhumi Flughafen(die aber jeder hat, denn den Ausgang sieht man einfach nicht!), haben wir dann auch direkt ein Taxi ergattert und 3 der armen Frauen mussten alleine vorfahren, um in ihr Guest House zu gelangen, bewaffnet mit genug Bargeld für Fahrt und Highway Toll, einer Karte, auf der die Adresse stand und einem grenzenlosen Vertrauen in meine Thai Kenntnisse
Aber es hat gut funktioniert, sogar besser, als das Taxi, in dem ich saß. Denn an der zweiten Tollbridge anzuhalten erwies sich als schlechte Idee, denn damit brachten wir das Taxi aus dem Rhythmus und uns zum Stillstand. Hupende Autos hinter uns, eine Autobahn vor uns und einen Taxifahrer der in aller Seelenruhe das Auto über die 3 Spuren an den linken Straßenrand schob, machten uns aber immerhin besser vertraut, denn nichts bricht das Eis so entspannt, wie eine kleine Nahtoderfahrung.
Irgendwann sprang das Auto aber auf magische Weise wieder an, wieso wissen wir nicht, aber ich vermute, dass es ein echtes thailändisches Auto war und schon länger als 2 Stunden keinen Imbiss mehr hatte.
Um 22.30 Uhr kamen wir dann endlich auch im Guest House an und ich konnte den Damen beim Einchecken helfen. (es stellte sich heraus, dass es gut war, dass ich vor dem Flughafen noch einmal dort vorbei geschaut hatte, denn so haben wir uns dieses Mal die 45 Minuten Diskussion gespart, ob das Goethe Institut jetzt schon bezahlt hätte oder ob ich das jetzt tun solle…) So zeigte ich noch kurz den 7/Eleven Survival Store und schlenderte dann auch langsam heimwärts.

Da ich in der gleichen Straße wie meine „Schützlinge“ wohne, holte ich sie am nächsten Morgen zu Fuss ab und wie eine kleine Schulklasse gingen wir zusammen zum Institut um die Leiterin der Sprachabteilung zu treffen und um 3 Stunden Einstufungstests zu absolvieren. Gut, dass ich diesmal die Lehrerperspektive hatte, schlecht, dass ich unter der Klimaanlage saß, die den Raum auf eisige 20° C kühlte und sich auch nicht verstellen ließ.
Dafür wartete als Belohnung dann das Kantinenessen auf uns.
„Kantine“ heisst hier nicht einen Raum mit dem Charme einer Bahnhofshalle mit Linoleumfussboden und Essen aus Plastik, sondern vielmehr eine Terrasse im Freien, auf der man für 70 Cent eine große Portion Reis mit 2 Beilagen bekommt. Kühle spenden Ventilatoren an den weissen Säulen, Hitze dafür das Chili.
Schmeckt okay für Thaiverhältnisse, satt macht es auf jeden Fall und besser als jede andere Kantine, die ich bis jetzt kulinarisch besuchen durfte. Ein Traum in Weiss sozusagen.
Die restliche Woche war dann dem Einleben gewidmet, inklusive kurzer Einführung in die Supermärkte(bzw. wo man welche findet), Bibliotheksausweise, Besprechung der nächsten Wochen(also was wir wollen, was sie wollen, wie wir uns fühlen, alles sehr pädagogisch ;) ) und der Entscheidung, am Sonntag ins Siam Discovery Museum zu gehen. Als erstes Fazit ist es auf jeden Fall faszinierend, mit Menschen aus einem Land zu sprechen, über das man so wenig weiss! Es macht auch Spass, die Stadt nochmal mit anderen Menschen zu entdecken, denn irgendwie macht das ja doch mehr Spass;) Und als Kultur- und Religionswissenschaftler ist so ein trikultureller Kontakt ja geradezu ideal;)


Ob es öffentliche Bilder hiervon gibt, weiss ich noch nicht, werde mal darüber nachdenken. Auf jeden Fall hat meine Reiseliste ein Land dazu gewonnen:)

Für mich war dann der Samstag frei zur Verfügung um endlich das Unternehmen Mobiltelefon in Angriff zu nehmen, hatte bis jetzt eins geliehen und das schlechte Gewissen ließ sich nur durch die Wochenenden mit Arbeit vor mir selber rechtfertigen. Das Gewissen nagt, ob man will oder nicht…
Abends kamen dann aber noch Mira und Daniel vorbei, die in der Deutschsprachigen Schweizer Schule Bangkok gelandet sind. Ein wenig beneide ich sie um ihre Ferien, denn ab jetzt ist der Oktober für die beiden frei, deswegen fahren sie nach Kambodscha. Aber wie es bei Nachtzügen so üblich ist, fuhr auch ihrer erst irgendwann spät und bei einer (zweiseitigen) bierseligen Runde mit dem guten Elefantenbier(heisst hier aber Chang und sieht edler aus) bekamen die beiden dann bei mir Asyl.
Ich leerte noch eine Flasche zu Ende, aber die Erkenntnis, dass das keine gute Idee gewesen war, kam erst am nächsten Tag…
Trinken ist bei dem Wetter keine schöne Sache…
Merke: wirklich zu jedem Bier zwei Wasser trinken! Wieder was gelernt(wahrscheinlich aber nicht;) )
Als ich mich dann irgendwann mittags aufraffen konnte, meine Mission in Angriff zu nehmen, regnete es natürlich schon und ich kam vollkommen nass an der U-Bahn an und trocknete auch nicht in der 22° warmen Skytrain…Dann war ich endlich im MBK.

Ein Shoppingparadies, dass man gesehen haben muss! Es gibt alles, von McDonald’s im Tiefgeschoss über Maßschneider im EG bis hin zu Supermärkten, Schmuckgeschäften, Spielzeug und Süssigkeitenläden, I-Stores, Nintendo-Stores, Münz-Playstations und natürlich auch findige kleine Läden, die sehr günstige Handys verkaufen.
Das ist zum Glück doch einfacher als in Deutschland, denn hier gibt es fast nur Prepaidhandys, für wenig Geld und mit vielen Extras. Ich landete dann bei einem Mp3 Handy(ja, ja ich bin halt doch Konsumkind – dafür kann ich noch keine Musik drauf spielen) für ca. 25 Euro, inklusive Kopfhörer und Simkarte. Ach ja – ein Iphone kostet so ca. 600 Euro, es lohnt sich also kaum…
Erschöpft, verkatert und überwältigt, aber erfolgreich fuhr ich dann zurück, liess mich vom Regen durchnässen, der jetzt aber nicht mehr von oben herunterfiel, sondern als Wand in der Luft hing und fiel dann auch schon erschöpft ins Bett.
Das Museum ist ein anderer Tag und ein anderer Eintrag, aber bis dahin gibt es ein Bild meiner Strasse(also das, was ich sehe, wenn ich auf halber Strecke zum Institut bin) und einem ersten Ausblick darauf, was eine Stunde Regen aus einem Parkplatz macht…Morgen freue ich mich auf einen ganz besonderen Tag und auf "Self Unfinished" von Xavier Le Roy für umsonst:)

Wow, zwei Bilder schon, wenn ich das ein paar Mal mache, werden es Millionen…muahaha!


Bis zum nächsten mal,


Micha


 
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