Donnerstag, 15. April 2010

Far Behind

Heute ist der 15. April und das bdeutet, dass ich schon seit einer Woche wieder in Thailand bin und seit 3 Tagen alleine.

Wir sind von unserer Reise zurück und es hat zwar nicht für Vietnam gereicht, dafür sind wir länger in Laos geblieben, wo alle Menschen Brüder und Schwestern sind und man auch als prekär Verdienender schnell Millionär wird(bei einer Wechselrate von ca. 11.000Kip pro 1 €).
So weit wie es führen würde, hier alle Einzelheiten, Begebenheiten und Geschichten zu erzählen, könnte ich hier und jetzt meinen ersten Roman schreiben. Da ich aber dazu zu faul bin, muss es wohl die Zusammenfassung mit ein paar kleinen Anekdötchen tun.
Um es auch ein bisschen übersichtlicher zu gestalten, gibt es die Unterteilung in die Links
Von Thailand nach Laos
Laos
Myanmar

Freitag, 12. März 2010

The Road

Hallo liebe Sonnenkinder

Ein kleines Update gibt es heute, ein wirklich winziges, dafür mit der höchsten Wort- zu Bild Quote bisher...
Imke und ich machen uns heute abend auf unsere große Reise von Nordthailand nach Laos, Vietnam und Myanmar. Heute Nacht um 22.00Uhr machen wir uns auf den Weg nach Phitsanulok(weg von den aufmarschierenden Redshirts) und werden morgen früh um 04.20 ankommen und einen Bus nach Sukkothai nehmen, der ersten Hauptstadt Siams, von wo es uns nach Chiangmai verschlagen wird. Dann geht es nach Nonkhai und von dort über den mächtigen Mekong(diesmal geht es über die Brücke!), der diesmal bewzungen wird. Ich hab zwar noch nicht das richtige Visum, aber das wird schon.

Die Route wird uns auf jeden Fall von Laos nach Vietnam verschlagen, wo wir am Ende von Hanoi aus durch Kambodscha nach Bangkok fahren und von hier dann nach Myanmar fliegen werden.
Zwischendurch werden wir uns auch versuchen zu melden, jetzt warten die letzten Vorbereitungen und ein Oreo auf mich...
Es wird spannend! Bis bald,

Micha und Imke

Montag, 22. Februar 2010

W(h)at`s Up?

Da die letzte Woche arbeitstechnisch nicht viel brachte möchte ich an diesem Punkt vielmehr etwas über die religiöse Alltagswelt berichten, so wie sich mir hier bis jetzt offenbarte.
Vorab ein paar obligatorische Fakten:
Betrachtete Region:
Thailand

Größte Religion:
Buddhismus (genauer: Theravada – Buddhismus )

Bekennende Buddhisten:
Ca. 95% , wir können also ruhigen Gewissens von einer homogenen religiösen Landschaft sprechen.

Nun, ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht(sonst wäre die Sache ja nach einem guten Wikipedia Artikel erledigt und Religionswissenschaftler schnell(er) arbeitslos).
Denn: in Thailand gibt existiert besagte buddhistische Schule natürlich nicht in „Reinform“(solches gibt es ja insgesamt eher selten, auch wenn manche das Gegenteil behaupten mögen…); in die religiöse Praxis vor Ort haben sich neben einigen hinduistischen Elementen auch noch einige ältere animistische und panentheistische Vorstellungen eingeschlichen und auch einige Hexenkulte werden praktisch am Leben erhalten.
Dies findet Ausdruck in diversen Dingen, eins davon zum Beispiel diverse Tätowierungen in alter Khmer-Schrift, die zumeist Zaubersprüche zur Abwendung böser Zauber sind(oft zu finden bei Motorradtaxi- und TukTuk-Fahrern. Offenbar haben alte Götter auch den Sprung von berittener Kavallerie und Schlachten zu Blech und Hauptstraßen geschafft). Meistens sind Tätowierungen (bei Menschen jenseits der 25) aber eher in niedrigeren Einkommens- und Gesellschaftsschichten anzutreffen. Als Modeobjekt kommt es erst langsam in Mode und auch die bei uns bekannten „Arschgeweihe“ gibt es dann (vor allem in Pattaya) ab und an zu bestaunen, meistens wohl als Liebeszauber und ein nach einem Blick in die Visastelle der deutschen Botschaft wohl auch recht erfolgreich…
Die Amulette dagegen sind unabhängig und an jedem Markt mit mehr als 2 Ständen erhältlich, in allen Formen und Farben: als Ganesha, Buddha, *religionswissenschaftleraus* als obskurer alter, ausgemergelter alter Mönch mit Glatze und irrem Blick *religionswissenschaftleran* als überdimensionaler(hoffentlich ) Phallus, diverse Drachen, Kröten und natürlich das Wahrzeichen Thailands: der Elefant. Auch bekannt als Chang. Manche Amulette bestehen auch aus Elfenbein, aus Metallröhrchen mit buddhistischen Gebetsformeln (also auf Sanskrit), aus Büffelhaaren, Federn, alten Münzen und manchmal auch aus Reliquien besonderer spiritueller Personen(also meistens aus toten alten Männern).
Besagte Amulette haben auch besondere Kräfte inne, können vor Geistern schützen und haben für einen unglaublich lächerlichen Preis meist auch noch einige andere tolle Eigenschaften
Ein Element, dass man definitiv nicht bestreiten kann, ist die Tatsache, dass sie die Klassen vereinen, denn man sieht erfolgreiche(also monetär) Geschäftsleute, Mönche, Barmädchen, Lehrer(in der Gesellschaft hoch angesehen, wenn auch nicht hoch entlohnt) und Schüler, genauso wie Filmstars, Taxifahrer und Köche.
Wobei grundsätzlich gilt, bis auf die sehr offensichtlichen Talismane können die meisten das, was man gerade von Ihnen braucht. Im Alltag fest verankert sind auch die sogenannten Geisterhäuschen. Diese Gebäude findet man normalerweise vor jedem Haus, an dessen Errichtung Thais beteiligt waren. Meist entweder direkt vor dem Haus oder auf dem Dach, sind diese kleine Gebäude, die von einfachen Konstruktionen mit Ähnlichkeiten zu einem Vogelhaus reichen bis hin zu kunstvollen und großen Gebilden, die schon von weitem beeindrucken. Jeden Morgen(ohne Ausnahme) werden dort Opfer dargebracht – Räucherstäbchen entzündet, Essen dargereicht und ein kurzes Gebet oder eine kurze Andacht. Nachdem ich die erste Verwunderung verwunden hatte, und auch den Geruch nicht mehr so exotisch fand und auch nicht mehr dachte „oh wie schööön….“ Bin ich der Sache dann doch mal auf den Grund gegangen und habe durch teilnehmende Beobachtung und Leitfadeninterviews heraus gefunden, was es damit auf sich hat: und voilá:
Die Geisterhäuschen sind ganz einfach und selbstverständlich errichtet, damit der ehemals dem Grundstück ansässige Geist, der nun durch die rücksichtlosen Menschen vertrieben wurde, nun ein neues Heim hat und nicht Rache an den Frevlern übt. Ganz einfach also.
Diese Gebilde finden sich aber ziemlich ausnahmslos an jedem Gebäude, ob es jetzt ein Luxushotel, wie das Millenium Hilton ist, eine Wellblechhütte in den Slums im Außenbereich Bangkoks oder auch so etwas weltliches wie das Siam Paragon Shopping Center – sie alle haben ein Geisterhäuschen, wobei man den Status des Gebäudes oder der Besitzer auch oft genug ablesen kann am Stil und an den Verzierungen. Thailändische Bei thailändischen geistern kommt es wohl auf die Größe an…
Religion spielt hier also auch im dichtesten Alltag und an jeder Hauptverkehrsstraße eine wichtige Rolle, auch wenn sie oft unterzugehen scheint.
Und diese Alltagstauglichkeit ohne strafenden Gott, ohne Sünden, Ablass und böse Hierarchien ist es ja, was den Buddhismus so romantisch erscheinen lässt. Denn wenn man jetzt Mist baut, gibt es ja noch das nächste Leben. So die Vorstellung und so auch das Credo vieler Thais. Das führt einerseits dazu, dass man wirklich sehr tolerant wirkt, bzw. dass das Leben, bis auf ein paar bunte Statuen und Zeremonien ab und zu sehr säkular wirkt und ein gläubiger Mensch(als die sich hier wahrscheinlich wirklich die 95% bezeichnen würden) durch seine Religiösität immer noch das machen kann, was ihm gefällt. Auch tolerant ist der Buddhismus, denn wo es keinen EINEN Gott und nicht DEN Weg gibt, kann man ja auch nicht den solitären alleinigen Wahrheitsanspruch haben und andere durch Blutvergießen von der eigenen Barmherzigkeit überzeugen, nicht wahr?
Na ja – fast: die Realität sieht leider so aus, dass es auch im Buddhismus Glaubenskriege gab, der Buddhismus mit seiner Kette aus Karma und Dharma kann auch wunderbar umfunktioniert werden als Herrschaftsinstrument, in dem eben jeder seinen angestammten und „verdienten“ Platz in der Befehlskette hat.
Was allerdings stimmt, ist die Toleranz gegenüber anderen Religionen, was aber leider auch viele zu dem Irrglauben verleitet, dass es im Buddhismus nicht auch ein paar absolute NoGos gibt, Tabus, die man einfach nicht brechen sollte und die einem mehr als einen schlechten Ruf einbringen. Denn auch, wenn die thailändische Kultur von Zurückhaltung geprägt ist, bedeutet es nicht, dass man alles machen darf, nur weil man nicht sofort angeschrien wird.
Beispiele dafür liefert Ayuthaya einige: dort ist gibt es noch viele Tempel(Wat – get it?), die meisten leider zerstört(wie mir meine burmesischen Begleiterinnen regelmäßig ins Gedächtnis gerufen haben;) ). Ein paar Beispiele habe ich ja gestern schon gegeben, und weil ich heute in Schreiblaune bin(und zudem noch ein wenig Zeit an meinen kurzen Fingern habe) gibt es noch mehr.
Natürlich 1: Schuhe aus!
2: Nicht über andere betende Hinüber steigen, immer außen herum
3: die Regel mit den Füßen gilt zwar nirgends in Thailand so richtig, aber in Tempeln sollte man nicht mit den nackten Füßen auf andere Menschen zeigen

Das sind eigentlich die wichtigsten, davon abgesehen schaut auch die farangs niemand komisch an, wenn sie beten, Mönche sind Alltag, auch alltagstauglich(vereinzelt kaufen sie auch dezentral gelagerte günstige Kopien von ansonsten sehr teurer Software…) und ein kurzer Wai vor dem Buddha für Thais angebracht.
A pro po Mönche und alltagstauglich: meine arme romantische Seele musste schon etwas leiden unter dem Anblick der asketischen, vorbildlichen spirituellen Vorbilder, die sich auf dem Weg zur Erleuchtung und dem Pfad der weltlichen Entsagung in der Pause während der Busfahrt erstmal genüsslich ne Kippe anstecken. Oder sich im Pantip Plaza mit fast legaler Software eindecken…Nun ja, der Weg ist wohl lang und staubig, vielleicht kommt die Erleuchtung wenn man ein paar mal stolpert doch schneller…
Leider muss ich die besten Bilder mal wieder auf morgen verschieben, aber immerhin hab ich diesmal ein paar und auch Lesefutter ist Futter, ein bisschen Fantasie ist in unserem Medienzeitalter vielleicht auch ein ganz gutes Training;) Diese Woche gibt es auch meine Lieblingstempel…
So long,
Micha
Mein Lieblingselefantengott in verdienter Pracht:)
Ein Geister"häuschen" in nächtlicher Pracht

Was man als guter Gläubiger halt so darbringt:)

Montag, 8. Februar 2010

The Reminder

Besser spät als nie kommt hier mal wieder ein Update – arbeitstechnisch ist nicht viel passiert, deswegen schreib ich doch einfach mal etwas über das, wofür Thailand allgemein und Bangkok speziell berühmt ist…wurde doch immerhin ein ganz Lied der Bangkoker Nachtszene gewidmet(zu finden HIER).
Was ist also das Gesicht des Sextourismus in Bangkok?
Es ist nicht das Gesicht Pattayas, die Stadt, die nur aus einem einzigen riesigen Rotlichtviertel besteht…es ist auch nicht die Straße, an der ein Spiegel am Zaun, um sich dort für ihre Freunde hübsch zu machen, gelangweilt Kette zu rauchen und schmale Jungs in hautengen Tanktops lässig an der Ecke stehen.
Vielmehr als die Stripclubs, Go-Go Bars und Einladungen zu Ping Pong Shows auf der Khao San Road und in Pattaya ist es der ganz normale Alltag, der nur ab und zu irritiert.
Das durchschnittliche Gewand des Frauentourismus ist hier nicht ein kleines Kind, dass ein 60-jähriger an der Hand mit nach Hause nimmt, sondern vielmehr das Lachen von zwei betrunkenen Europäern Anfang 30, die in einer Kneipe sitzen und für 10€ die Zeit ihres Lebens haben und sich wie Könige fühlen, dabei absolut armselig aufführen. Die sich hier ihren Traum vom Playboy Millionär erfüllen wollen, dabei alles haben, was es zu Hause nicht gibt, Luxus, Macht und Frauen. Ganz oben sind sie ganz unten angekommen, lachen immer noch über die eigenen Witze, während ihre Begleiterinnen einen Schmollmund ziehen, gelangweilt schauen und sich hin wieder zu einem angedeuteten gespielten Lächeln hinreißen lassen – auf Einladung.
Nicht die Sünde oder die exotisch-erotischen Eroberungen sind es, die hier so verlocken, es ist das Gefühl, Geld(man selber) könne alles kaufen und wer das Geld hat bestimmt alles, hat Recht. Obwohl vorhanden, wird der typische Europäer in diesem Land selten an Tore kommen, die ihm verschlossen sind, die zu teuer und edel sind. Verführerisch scheint man nie in die Situation zu kommen, etwas nicht kaufen zu können, eine Situation nicht mit einem elegant gezückten Geldschein zu lösen…
Ob es jetzt ein Kaufrausch auf einem der Märkte, Malls ist oder die Lokalrunde in der Lieblingsbar – alles scheint käuflich und alles scheint billig und nur darauf zu warten, dass Herr (oder Frau) nicht zusätzlich zu den Bäuchen auch noch ein schweres Portemonnaie(ich werde niemals einknicken!) tragen müssen.
Natürlich ist das nur ein kleiner Teil, aber (zu) viele Leute führen sich in diesem Land auf, als wäre Geld die einzige Sensibilität, die man mitbringen müsste. Nur weil man Eintritt bezahlt, hat man kein Hausrecht in Tempeln, sollte sich trotzdem respektvoll anziehen(und benehmen), links und rechts das Geld schmeißen und zwischen respektvoll und unterwürfig liegt eine feine Linie.
Zumindest in Bangkok wird es auch ermutitgt, wenn man durch die Shoppingmeile der Ratchathewri zieht - das SiamParagon, Central World, MBK, die Straße auf der 10 Einkaufszentren nebeneinander liegen in Dimensionen, die die USA wie den schwachen kleinen Bruder aussehen lassen. Wo man sofort von einem Verkäufer umgarnbt wird(ohne aufdringlich zu sein), wo man 4 Euro für eine Stunde Massage bekommt und alles auf den schnellen Konsum und Genuss ausgelegt ist. Frauen sind hier noch Dekoration und der Kunde mehr als ein König. Um mal wieder einen pfiffigen Bezug zum Titel zu ziehen(ja, geschickte Rundumschläge sind eins der hunerten von Talenten, die man benötigt, um meinen Job hier Beitragender an diesem journalistisch einzigartigen Blog zu bekommen) möchte ich gerne an eine abgedroschene Sache erinnern:
Man kann sich vielleicht viel Dinge kaufen, aber denkt bitte daran: nicht alles was man für Geld kaufen kann, ist auch was wert.
Um mit einem deutschen Zitat zu schließen:
„Ich lege Euch ganz besinders ans Herz, nie zu vergessen, dass die Kultur des siamesischen Volkes viel älter ist als die unsrige(sic!). Nach dem Respekt, den ihr dieser Kultur erweist, wird sich die Wertschätzung richten, die die Siamesen Euch entgegenbringen(sic!)“1

Bilder folgen…dafür jetzt mit Fußnote:)

1: Staatsekretär von Stephan 1890 in Berlin 1890 zu den deutschen Posträten, die das Post- und Telegrafensystem in Deutschland ausbauen sollten.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Mittwoch, 3. Februar 2010

Time after Time

Es gibt diese Woche noch was Neues, bloß ist noch nicht allzuviel passiert, aber sobald ich von meinen Raubzügen auf die Fensterbank abgesprungen bin, stehen die Weichen wieder auf TEXT! Und Informationen:)

Montag, 25. Januar 2010

Down to the market

Es ist soweit, treue und untreue Leser, ich bin mal wieder angetreten um Menschen, Tiere, Sensationen feil zu bieten. Unterhaltung über meine Haltung zu Reisen, gebieten, Eindrücken und natürlich Bilder!
Dieses Mal habe ich sogar etwas Besonderes, sozusagen als Entschädigung für die lange Funkstille und das mutwillige Vorenthalten von Informationen.

Die Zeit: 09. Januar 2010. Das Jahr ist noch frisch, die Erwartungen sind froh und die Tage dieser Zeit beginnen mit Sonnenschein. Ein unbändiges Feuer erfüllte unsere Herzen, wir waren auf der Suche nach dem, was nur ein Gerücht war, doch wir waren fest entschlossen, unseren Weg zu machen und den Schienen bis an ihr Ende zu folgen. Den Schienen zum legendären Railway Market in der Provinz Samut Sakhon. Da wussten wir noch nicht, dass wir mehr finden würden als bloß einen Markt...
Einst ein bloßer Internetmythos, ist er von den mittlerweile auch mit Laptops ausgestatteten Backpackern und alternativer Hippiereisenden immer noch erstaunlich ignoriert...
Fest entschlossen, den Mythos live zu sehen und mit der Kraft zweier Herzen ausgestattet, dazu 4 Augen, 2 Zungen(von denen eine immerhin auf Thai fragen kann "Wo ist das?") und einem unersättlichen Vorrat an Optimismus begann unsere Reise also in Bangkok.
Die Reisenden: Imke und Micha
Die Ausrüstung:
- ein kryptischer Zettel mit verschiedenen Infos und Abfahrtszeiten und Adressen
- 2x 1,5 Liter Wasser
- ein lonely Planet

Zeit:
09:00 SEA
Wir hatten einen (relativ) genauen Plan von Ziel und Weg und eine(relative) gut recherchierte Ahnung sowie (relativ) sichere Kenntnisse dessen, was uns erwartete, außerdem waren wir(subjektiv relativ) gut ausgerüstet, also konnte nichts mehr schief gehen!

Unsere Reise begann also besagten Morgen morgens(? es ist spät) mit einem ausgiebigen Frühstück, bevor wir unsere Schuhe schnürten(ich zumindest, Imke nahm Sandalen, um den Mücken auch ein Frühstück zu gönnen:) ), und schon waren wir auf dem Weg zu Station 1 von Unzähligen: U-Bahn Station "Lumpini".
Von dort aus weiter bis zur Umsteigestation "Silom", um dort in die Skytrain Richtung Wongwian Yai zu fahren, mit dem hehren Ziel den mächtigen Chao Praya mit einem einfachen Massenverkehrsmittel zu überqueren und in die berüchtigte andere Seite der Stadt, in Thonburi einzutauchen...
Dort angekommen, gab uns ein kurzer Blick in die Karte die grobe Richtung und die Güte des Schicksals genau die richtige Straße ein.
Jetzt galt es nur noch, den Bahnhof "Wongwian Yai" zu finden, der im Lonely Planet als "hidden behind a busy food market" plus "just behind the large traffic circle"(roundabout, wie der Engländer hier sagen würde). Schön. Schade nur, dass nicht stand, von wo aus diese Richtungsangabe einen dirigieren sollte, da Kreisverkehre(vor allem vorgenannte enorme) die unangenehme Eigenschaft pflegen, polygame Verbindungen einzugehen und Autos aus allen wüsten und abwegigen Richtungen zusammenzuführen und zu vereinigen. Na ja...den Food Court fanden wir, das Einzige Problem war hierbei, dass der ganze Straßenblock ein Food Court zu sein schien...
Als kommunikationsfrohe Menschen(zumindest der weibliche Part unseres Duos) war es natürlich naheliegend, einen der Eingeborenen Einheimischen zu fragen. Offenkundig war diese Idee aber kulturell unsensibel, denn eine vorbeischlendernde Frau, die das Opfer unser penetranten Attacke wurde, riss auf unsere Frage entsetzt die Augen auf, so dass wir deutlich sehen konnten, dass nicht wir, sondern das pure Grauen sich spiegelte und stürmte eilig davon. Notiz für die Feldforschung: es scheint evident, dass eine Häufung bewaffneter Raubüberfälle von ca. 1,65m großen weiblichen blonden jungen Frauen am helllichten Tag auf Thailänder vorzuliegen scheint, die die Bevölkerung in panische Angst versetzt. Verstärkt wird die Gefahr durch hilflose Blicke in alle Himmelsrichtungen sowie das Verstecken der Waffen hinter einem aufgeschlagenen Reiseführer.
Zum Glück kam noch ein unerschrockener Mann herbei, der uns die Richtung zum ersehnten Bahnhof zeigte. Fröhlich machten wir uns also auf...in die falsche Richtung...
Dann kam jedoch ein besonders verwegener Mensch auf uns zu und zeigte uns grob die Richtung, in der der Bahnhof laut Karte grob liegen sollte(wenn auch ohne Straßenbezeichnung oder Himmelrichtung...).
Dankbar nahmen unsere Füße also wieder eine andere Richtung auf, wir folgten immer noch treu dem Reiseführer, denn zumindest die Straßenseite sollte ja stimmen, nicht wahr?
Nö.
Wir gerieten in ein paar Gassen, durchliefen den Food Court(wir erinnern uns: das ganze Viertel) und landeten an der Straße, an der wir von der Skytrain angekommen waren.
Da unser Zug bald fuhr und wir dachten, dass die Menschen in einem Umkreis von 100m zum Bahnhof doch den Bahnhof in ihrer Straße kennen müssten, fragten wir also. Doch immer wollten uns die Menschen zur Skytrain bringen(doof, wenn zwei Wörter dasselbe bedeuten...Rotfay oder Rotfay, welches mein ich, hmm...). Also beschlossen wir ein Taxi zu nehmen und nach der onomatopoetischen Imitation eines Zuges, wusste der Fahrer auch, dass wir NICHT zur Skytrainstation wollten(die in seinem Rückspiegel). Also fuhr er los - und hielt an. Nach ca. 2 Minuten waren wir angekommen, es war immer noch der Anfangspreis und der Fahrer wollte noch nicht mal Geld, also kamen wir im wahrsten Sinne des Wortes für ein Trinkgeld an.
Der Bahnhof war da, aber nicht auf der Straßenseite des linken Lonely Planet, auch nicht beim Food Court und erst Recht nicht "direkt hinter dem Kreisverkehr". Dafür war er versteckt hinter Wäsche und einem ranzigen Schild auf Thai.
Die Schienen konnte man nicht sehen, weil es ein Endbahnhof ist, der in Beton endet und dessen Schienen mit Gras überwachsen sind. Dort lösten wir dann vorbildlich unser Ticket und dank unserer kleinen Odyssee mussten wir gar nicht lange warten:)
Als integrationsbemühter Mensch kaufte ich mir noch eine frische Frühlingsrolle für die Fahrt und weil ich gerne teile, bekam mein T-Shirt einen Schuss Sojasauce ab.
Nach ca. 2 Stunden Fahrt über thailändische Dörfer und Reisfelder in einem Wagen mit Ventilator und Großeinkäufern kamen wir in dem wunderschönen(relativ) Städtchen Samut Sakhon an, wo wir atemberaubende Landschaften und Ruhe gegen einen hektischen Markt tauschten.
Dort war unser Ziel, die Fähre nach Ban Laem zu finden um die Ziel der Verkehrsmittel auf stolze 6 aufzustocken(kurzes Repetitorium: Füße, Metro, Skytrain, Taxi, Zug und jetzt Fähre).
Ein letzter Versuch folgte, dem Lonely Planet noch mal die Chance auf ein grandioses Comeback zu geben...
Ich zitiere:
a bustling port town several kilometers from the gulf of Thailand and the end of the first rail segment(check)
After working your way through what must be one of the most hectic fresh markets in the country
(geht so, actually)you'll come to a vast harbour...
Ich höre hier mal auf, weil eine Himmelsrichtung geholfen hätte, denn obwohl der Markt nicht wirklich so hektisch war, hat man trotzdem kein Wasser gesehen, höchstens ein paar Kanäle...aber wieder war uns das Schicksal gnädig, denn irgendwann(nach höchstens 1,2 ratlosen Runden um den Block, aber maximal!) fanden wir den "vast"(sehr relativ) Hafen und auch die Fähre Richtung Ban Laem auf Anhieb(nämlich die Einzige). Der Preis war mit 3 Baht erstaunlich günstig, was daran lag, dass die Fahrt nach 1 Minute zu Ende war. Vom Anschein her war die Hauptaufgabe der Fähre, Roller von einer Seite des Kanals auf die andere zu bringen, ohne den Sprit dafür bezahlen zu müssen.
Auf der anderen Seite wussten wir eines: wir müssen zum Wat Chong Lom, wo immer der auch sein mag.
Wir fanden viele hilfsbereite Rikschafahrer(die mit dem Fahrrad vorne dran), aber bei den winterlichen Temperaturen von 35° wollten wir ein TukTuk nehmen und nicht einem der armen zarten Menschen die Last von zwei europäischen Hintern zumuten...Nach 10 Minuten stellten wir dann fest, dass alle Thais damit fuhren, dass wir keine TukTuks sahen und es außer Laufen wohl keine Alternative gab.
Die Tatsache, dass der Fahrer kein Englisch sprach und ein Thai sprach von dem ich kein einziges Wort verstand(den zahnlosen Dialekt), machte aber gar nichts, denn er hatte ein laminiertes Schild auf Englisch vorbereitet, auf dem zwei Angebote standen:
1: round tour
2: Wat Chong Lom
beides mit Preisen versehen. Da mit Fingern auf Objekte zeigen überall verstanden wird, wurden wir uns einig und so stiegen unsere Verkehrsmittel auf 7 und meine Lebenserfahrung um eine Fahrradrikschafahrt an.
Wir kamen an, der Fahrer verabschiedete sich freundlich, zeigte uns noch den Bahnhof auf der anderen Seite, und machte sich auf, in die lange Straße weit entfernt von einem Sonnenuntergang
Wir hatten ein wenig Zeit, also machten wir uns auf, einen Ticketschalter zu suchen, den es gar nicht gab, weswegen wir dann im chinesisch buddhistischen Bot(Gebetsraum) etwas Schatten suchten und Entspannung plus Einblicke in individuelle Gebetstechniken und gelebte Religion fanden...
Es gab einen kurzen Schreckmoment, als wir einen Zug davon fahren sahen, doch stellten schnell fest, dass es nicht unserer war(wieder dank eines freundlichen Thais, der uns das Schild am Bahnhof erklärte, welches komplett auf Thai geschrieben war).
Pünktlich(relativ - im Folgenden nur noch r.) kam dann auch der Zug nach Samut Songkhran(unserem Ziel) und wir stiegen ein...
Diese Fahrt durch thailändische Provinz war sogar eine wahrhafte Reise durch thailändische Dörfer denn oft genug waren die Dächer der Hütten nur wenige Zentimeter vom Zug und den Fenstern entfernt. So nahe, dass Raus lehnen ein potentiell tödliches Risiko ist.
Wir hatten kein Ticket, was allerdings kein Problem ist, wie uns ein mitreisendes Paar erzählte, denn
a) ist der Zug für Thais sowieso umsonst(!)
b) kann man auch im Zug Tickets lösen
Wir bekamen Option b9 von den Kontrolleuren und durften die Fahrt genießen, im letzten Verkehrsmittel unserer Reise, auf dem Weg zum Ziel.
Die Umgebung bot Abwechslung von Bambuswäldern, zu Reisfeldern, kleinen Dörfern, halb erschlossenen Industriegebieten, offenen Tempeln, halboffenen Kneipen und Restaurants, aber vor allem wieder ein komplett anderes Thailand als Bangkok.
In Berufen ist Bangkok wohl Industriedesigner, der ab und zu Punk entdeckt und der Rest des Landes eine Mischung aus Kunsthistoriker und esoterischem Religionswissenschaftler;)
Ach ja: auf dem Land haben die Leute einen langen Fingernagel am kleinen Finger linken Hand - auf Nachfrage erkläre ichs...
Kurz vor dem Ziel ging Aufregung durch ein paar der Fahrgäste(die meisten davon farangs, aber auch ein paar Thais) und viele drängten zu den Türen und nach vorne. Der Markt nahte. Die Schaffner holten die Leute von den Türen weg und als Belohnung für Gehorsam(jump through the hoop) durften dann die braven nach vorne neben Lokführer, auf die pole position der Kameras.
Auch ich;)
Über den Markt verliere ich nicht viele Worte, denn die Reise war tatsächlich das Ziel(nah! außer dem Markt haben wir nämlich noch die Erfüllung eines abgedroschenen Sprichworts gefunden;) )
Dieser Markt findet auf den Schienen einer aktiven Eisenbahnlinie statt. Der Zug fährt viermal täglich und die Stände sind auf Rollen und mit ausgetüftelten Mechanismen versehen, um flexibel zu sein. kommt ein Zug, weichen Passanten und Einkäufer, werden Waren eingeholt und die Kameras heraus. Im Zug öffnet und schließt sich der Markt also vor einem. Bilder statt Worte.
Da wir zurück nach Krung Thep strebten, hatten wir nach 4 Stunden Fahrt nur 45 Minuten Aufenthalt, aber bei so einer Reise war es angemessen. Der Weg allein war es wert. Insgesamt benutzten wir 8 Verkehrsmittel(Füße, U-Bahn, Skytrain, Taxi, Zug, Fähre, Fahrradrikscha, Motorradtaxi auf dem Rückweg) auf dieser Reise.

Auf einer Reise, auf der wir so unglaublich viele Facette Thailands erlaufen, gerochen, geritten, gespürt, gehört und gesehen haben, war alles, was das Reisen ausmacht in der stundenlangen Zeitlosigkeit bewahrt, die durch Fahrtwind und eine vorbeiziehende Landschaft nicht getrübt, sondern nur wie ein wunderschönes Bild komponiert wurde, dass die Sinne ins Herz malen und das trotz oder gerade wegen seiner Vergänglichkeit ewig bleiben wird...



Der riesige Banhhof Wongwian Yai


Am Ziel!Ein ganz normaler Markt?! Oder? ...



 
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