Montag, 9. August 2010
Football Season Is Over
335 Tage in denen ich viel gesehen, viel erfahren habe.
Eingetaucht in Bangkok, wurde aus einer abstrakten E-Mail, die mir ein Jahr Thailand versprach schnell die scheinbare Ewigkeit in einem fremden Land. Eine Ewigkeit, die jetzt wie ein Atemzug wirkt, wie ein flüchtiger Augenblick, der, durch eine einzige, winzige Unachtsamkeit verloren ist und nicht mehr wieder kommt.
Mein letztes Wochenende in dieser Stadt ist jetzt vorbei, es bleibt der Abschied vom Goethe-Institut, von den liebgewonnen Kollegen, vom allmorgendlichen Gang zur Arbeit, vorbei am Stand mit Nudelsuppe, am Karren des Eiskaffeeverkäufers, den wartenden Motorradtaxifahrern.
An dieser Stelle sollte man sich wehmütig fühlen und Angst vor dem Abschied haben, doch dafür ist alles zu unwirklich. Natürlich lebe ich in dieser Stadt, natürlich gibt es hier einen langweiligen Alltag und exotisch sind höchstens die Touristen aus Indien, aber nicht mein zu Hause.
Die Stadt der Engel hat mindestens ebenso viele Dämonen und dennoch wird sie mich nicht loslassen, ist ein Teil von mir geworden. Liebe und Hass existieren nebeneinander, wenn in der Rush Hour gedrängelt wird, wenn die Tuk Tuk Fahrer auch nach 9 Monaten viel zu viel Geld wollen, wenn thailändische Taxifahrer einen umsonst in die nächste Straße fahren oder mitten im Feierabendverkehr aus Schreinen winzige Orte der absoluten Harmonie werden.
Wenn vor den Bars und Stundenhotels die Geier warten und man im Internetcafé einen Schirm gegen den Regen geschenkt bekommt.
Die Erinnerung ist trügerisch, sie kleidet sich gerne in andere Gewänder, versteckt sich. Doch auch wenn sie vergilbt, ich werde sie regelmäßig abstauben, einen ganz besonderen Platz einräumen und in ihre sind genug Juwelen, dass sie niemals vergehen wird.
So viel ist passiert und geschehen, dass es mal wieder hier den Rahmen sprengen würde. Ich habe Revolutionen gesehen, bin durch den Dschungel gekrochen und war in Luxusmalls. Ich war in 3D-Kinos und auf den Spuren vergangener Zivilisationen. Ich habe mein Deutschsein gehasst und celebriert, hatte Ängste, Mut, Freude und Leid. Die besten und die schlechtesten Zeiten. Bin gerannt und geschlichen.
Jetzt bewege ich mich durch die Straßen mit der Leichtigkeit des Bewusstseins der Wiederkehr, mit der Freiheit des nichts-Bereuens.
Jeder Weg führt nach vorne, zurück kommt man nie wieder, aber es lohnt sich, ab und zu inne zu halten und zurück zu blicken die Aussicht zu genießen und die Landschaft zu genießen, die einen hierhin geführt hat.
Die Nostalgie wird kommen, sie schleicht sich schon heran, doch noch wird sie in der Schwebe der Zwischenwelt gehalten.
In 5 Tagen also, werde ich wieder durch Deutschland laufen, in 5 Tagen in einer Stadt mit 10 000 000 Einwohnern weniger sein und ich werde alle Leute verstehen. Statt essen gehen gibt es selber kochen, statt Straßen- Supermärkte und statt Papayas Äpfel.
Mein Schreibtisch wird aufgeräumt, mein Platz geleert und nach mir werden andere kommen. Was bleibt, sind winzige Fußspuren im Ganzen.
Was mir bleibt, sind ewige Erinnerungen und die letzten Tage zu genießen, nach vorne zu schauen und meine Schätze zu pflegen…
Bis Samstag!
Mittwoch, 7. Juli 2010
The Taste of Ink
Die Roten haben sich wieder beruhigt, die Aufregung über einen drohenden Bürgerkrieg ist der Aufregung um die Fussball-WM gewichen.
„Wir“ sind mal wieder im Halbfinale und wer wirklich Fussball begeistert ist, darf sich um 01:30 an den Übertragungsort seiner Wahl begeben und dort im gemütlichen Schoße der Expat Community schauen, feiern, trauern und trinken(das geht ja bei Freude und Trauer).
Auch wenn mir Quellen berichten, dass das Orakel gegen uns ist, heisst das ja noch lange nichts, denn was weiss schon so ein rückgratloses Vieh von Sport, nicht wahr? ;)
Bei mir macht sich langsam auch Endspurtstimmung breit, die ersten Abschiede sind gefallen, die letzten Pläne werden gemacht und erste Verzweiflung ob der Gepäckbeschränkungen macht sich breit…
Ein Souvenir allerdings wiegt (so gut wie) nichts, passt ins Handgepäck und kann ich auch nicht so leicht verlieren:
Am Samstag vor dem Spiel war der Micha nämlich nochmal beim Tätowierer. Wie es sich gehört, in einer kleinen Seitenstraße, nebenan vom Rotlichtviertel;)
Beim sehr vertrauenswürdigen Sopon habe ich mich zuerst umgesehen, beraten, dann stechen lassen. Aufmerksam geworden bin ich durch einen Freund, der wiederum durch einen Zeitungsartikel.
Gesagt getan. Als pflegeleichter Kunde hab ich mein fertiges Motiv schon mitgebracht, wir haben uns schnell auf einen Preis geeinigt und zwischen erstem Hingehen und Termin vergingen lächerliche 4 Tage
Als vorrausschauender, gesund lebender junger Mann in den mittleren 20ern war ich natürlich gut vorbereitet, dennoch war natürlich ein bisschen Nervosität da. Den Schmerz vom ersten Mal habe ich ja schon lange vergessen, und eine andere Stelle war es auch, deswegen gab es doch das ein oder andere Bedenken.
Dagegen sprach das Versprechen, dass es ja nur 1 Stunde dauern würde.
Also begab ich mich in den Stuhl, in Begleitung von Peter und Laila, beide willig, sich auch unter die Nadel zu legen, aber nicht willig genug, als Erste voran zu gehen;)
Tapfer entblößte ich also meinen durch vorsichtige Sonnenabstinenz gebleichten Oberkörper(mein Teil zur Integration), lehnte mich so entspannt wie möglich zurück und schaute lugte kritisch auf die Vorbereitung der Instrumente.
Als es da auch nichts mehr zu bemängeln gab, wurde es ernst:
Ein Brummton erfüllte das kleine Studio, eine Vergrößerungslinse mit Tageslichtdiode wurde positioniert und die Nadel in pechschwarze Tinte getaucht.
Tapfer wie ich bin, ertrug ich den Schmerz wie ein echter Mann;)
Was dabei half, war dass es gar nicht so weh tat; eher wie ein heisses Spielzeugauto, dass auf die Haut gedrückt und gelenkt wird Auf jeden Fall konnte ich mich die ganze Zeit dabei unterhalten.
Dennoch war der Schmerz unterhaltsam genug, dass ich nicht mitbekam, dass es 2 Stunden dauerte.
Und jetzt kommen wir auch zum Trommelwirbel…was ist es, was ich jetzt für den Rest meines Lebens mit mir herum tragen werde?
Tusch…
Der großartige Lord Ganesh
Patron der Musik, Literatur, Maleri
Schutzherr der Reisenden
Genießer von Süßigkeiten
Deität für erfolgreiche Unternehmungen
Der Gott mit dem tollen Elefantenkopf und der Plauze
Tadah:
Sonntag, 16. Mai 2010
Krawall und Remmidemmi
In der letzten Woche noch sah es so aus, als ob die Rothemden sich auf das Angebot der Regierung/Premierminister Abhisits einlassen und den Wahltermin am 14. November, eine Amnestie für die Protestführer sowie eine friedliche Lösung akzeptieren.
Was von diesem Tage übrig bleibt? Hubschrauber, die über mir kreisen, ständiges Gewehrfeuer und viele Tote, Verletzte, die die Zukunft Thailands eher ungewiss erscheinen lassen.
Was ist geschehen? Wir erinnern uns:
am 12. März 2010 begannen die Anführer des 2006 unter Korruptionsvorwürfen aus dem Amt gestürzten Premierministers Thaksin eine Demonstration, in der sie forderten, dass der amtierende PM, Abhisit Vejjajiva, sein Amt aufgibt, das Parlament auflöst und innerhalb 30 Tagen Neuwahlen durchführt...
Dies wurde natürlich abgelehnt, also machten die "Rothemden" es sich bequem, in der Nähe des Königspalastes, auf der Ratchaprasong(da, wo die Luxuseinkaufszentren sind) und wiederholten ihre Forderungen immer vehementer, aber auch immer friedlich.
Wer sind nun diese Rothemden, wer ist Thaksin?
Thaksin Shinawatra, Schlüssel- und Symbolfigur der Bewegung wurde in Chiang Mai geboren, als Sohn einer wohlhabenden Familie genoss er eine gute Bildung, ging auf die Polizeiakademie und beendete seine edukative Laufbahn mit einem (us-amerikanischen) Doktor in Strafrecht.
Bald darauf gründete er die Shinawatra Computer and Communications Group Shin Corporation , die durch geschicktes Verhandeln und gute Beziehungen quasi im Alleingang die Mobiltelefone und Satellitenübertragung in Thailand einführte.
Schnell wurde er so einer der reichsten Männer Asiens.
Als Mann mit Ambitionen gründete er 1998 die Thai rak Thai (Thais lieben Thais) Partei und an der linken Seite des Spektrums präsentierte er sich als Kämpfer für den kleinen Mann(zuvor war er bereits stellvertrender PM und 3 Monate lang Außenminister gewesen), ließ sich zum Vizevorsitzenden wählen und war noch im gleichen Jahr Mitglied des Parlaments.
2001 dann war es endlich soweit: Thaksin Shinawatras Partei gewann die Wahl, er wurde zum Ministerpräsidenten ernannt und Thailand war "rot".
Geprägt war seine Politik durch:
- die Einführung einer Krankenversicherung für 30BHT/Behandlung(begrenzt auf den eigenen Bezirk bezahlte man im Krankenhaus 30BHT, egal für welche Behandlung, statt, wie vorher, Pech zu haben)
- Entlastungen für die ärmeren Bevölkerungsschichten(vor allem aus dem Isaan an der Grenze zu Laos)
- einer besseren Wasserversorgung
- Bekämpfung von Korruption
- Recht und Ordnung
- ausländerfeindliche Gesetzgebungen
Konkret umgesetzt wurde dies durch:
- eben jene allgemeine Gesundheitsreform
- Subventionen zur Landwirtschaft
- dem Aufstellen von Frischwasserautomaten
- einem harten Kampf gegen Drogen
- dem Gesetz, dass Ausländer kein Land besitzen dürfen
Klingt alles ganz gut, aber einige Dinge, die auch passierten:
- im "war on Drugs" wurden ca. 3.000 Einzelpersonen durch außergerichtliche Tötungen(Tötungseinheiten der Regierung) zur Abschreckung und ohne Prozess getötet
- Steuererleichterungen für seine Freunde, sich selber und alle Extremverdiener
- Straffreiheit für sich und seine Familie
- ein System der Abhängigkeit
- durch die Beherrschung großer Teile der Medien eine extreme Einschränkung der Pressefreiheit und Berichterstattung
Unterm Strich ist also Herr Thaksin ein Milliardär, der für die armen Leute kämpft, ohne Zweifel viele gute Reformen und Maßnahmen auf den Weg gebracht hat, aber eben doch vor allem darauf bedacht war, seine eigenen Schäfchen und Freunde ins Trockene zu bringen.
2006 dann wurde Herr Thaksin (wieder) mit schweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert und ein besonders dubioses Geschäft(der Verkauf von Aktien im Wert von 2 Milliarden $ - ohne Steuern;)) führte zu landesweiten Protesten der APO und der regulären Opposition.
Bei diesen vorgezogenen Wahlen schafften die Thaksin Gegner es, so viele ungültige Wahlzettel und "no vote" Stimmen zu organisieren, dass das Kabinett nicht zusammen treten konnte. Jetzt stellte sich auch heraus, dass Thaksin(der insgesamt immer noch über 50% erhalten hatte), die Wahlbeobachter bestochen und hatte bedrohen lassen.
Auf einer Dienstreise in den USA ergriff am 19. September 2006 das Militär die Initiative, besetze das Parlament, Bangkok und suspendierte Thaksin in Abwesenheit.
Nach zwei unblutigen Wochen ernannte das Militär eine Übergangsregierung welche wiederum für 2007 ein Verfassungsreferendum und Neuwahlen ansetzte.
Die Verfassung wurde akzeptiert, bei Neuwahlen gewann eine Nachfolgepartei der Thai Rak Thai(TRT) und die demokratische Partei Abhisits wurde zweitgrößte Kraft.
Gleichzeitig wird die alte TRT aufgelöst und Thaksin und 100 hohen Politkern verboten, innerhalb der nächsten 5 Jahre politisch aktiv zu werden, aufgrund ihrer Wahlfälschung.
Das Verfahren wegen Korruption allgemein und einigen faulen Geschäften speziell läuft an, Thaksin flieht nach England. Es drohen bis zu 13 Jahre Haft.
Mit der neuen Regierung nicht zufrieden besetzen die "Gelben"(Konservativ und königstreu) den Flughafen und halten Urlauber im Land fest, bis es Neuwahlen gibt.
Nach einigem Hin und Her wurde schließlich die "Union für Demokratie" als Regierung eingesetzt, 2008 dann besagter Abhisit an der Spitze der Gelbhemden Premierminister.
Diese Regierung steht für:
- Versorgung der alten Eliten
- Königstreue
- Unterdrückung der Presse
- Korruption
- Recht und Ordnung
- Verbesserung der Infrastruktur
Es herrschte Ruhe.
2009 gab es wieder Aufruhr, weil Thaksin nicht ausgeliefert wurde, einen Pass von Montenegro erhielt und in Kambodscha zum Wirtschaftsberater ernannt wurde. Thailand war not amused, zog seinen Botschafter ab und beide Länder schrien sich über die Grenze hinweg an.
Nichts passiert.
Dann - 2010. Im Februar werden ca. 900 Millionen € von Gerichten aus Thaksins Vermögen eingefroren, bis ein Grundstücksdeal geklärt wird. Es gibt Granatenanschläge auf die Bank, die die Konten verwaltet.
Am 10. März beginnen die Demonstrationen. Lange geplant und finanziert, sollen bis zu 1 Million Demonstranten nach Bangkok kommen, am Ende sind es ca. 100.000.
Verhandlungen schlagen fehl, die Demonstranten halten an ihren oben genannten Forderungen fest. Das Leben geht ganz normal weiter, man kann sich komplett frei in der Stadt bewegen.
Am 10. April 2010 übernehmen Demonstranten einen Sender und erreichen, dass Abhisit zusammen mit dem Militär versucht, die Lager zu räumen und "Ruhe und Ordnung" wieder herzustellen. Hilarity does not ensue.
Am Morgen des 11. April sind ca. 25 Menschen gestorben(Soldaten und Demonstranten, 1 Fotograf) und über 800 verletzt.
Ein Patt entsteht, Verhandlungen beginnen, die Stimmung heizt sich auf.
Am 22. April werden an der U-Bahn Haltestelle Sala Daeng auf einer Einkaufsstraße am Abend 4 Granaten gezündet. Ein Mensch stirbt, 80 werden verletzt, 2 Seiten beschuldigen sich gegenseitig.
An diesem Punkt hat das Militär immer wieder seine Loyalitäten gewechselt und klar gemacht, dass sie nicht auf die Regierung hören, wenn sie nicht wollen.
Am 3. Mai bietet Abhisit an, im November Neuwahlen zu halten, den Rothemden eine Generalamnestie zu gewähren und die Geschehnisse des 10. April sowie des 22. April zu untersuchen. Die roten nehmen an, bleiben aber vor Ort.
Abhisit sagt, dass die Abmachung war, dass sie räumen.
Die Roten lehnen ab, wollen jetzt den Vizepremier vor Gericht sehen und Neuwahlen in 30 Tagen. Der Premier ist not amused: das Militär kreist die Demonstranten ein(es sind noch ca. 5.000-6.000 übrig) und will den Nachschub an Wasser und Essen verhindern.
Es kommt zu kleineren Auseinandersetzungen, Anschlägen und es gibt immer wieder Gerüchte. Die wichtigsten:
- "Morgen räumt die Armee"(täglich)
- "Jeder bekommt 1000BHT am Tag von Abhisit wenn er bleibt"
- "Viele Rote wissen gar nicht, für was sie demonstrieren"
Es wird heisser, die Rhetorik schärfer und am Abend des 14. Mai wird ein rotgewordener ehemaliger General per Kopfschuss nieder gestreckt.
Am Morgen des 15. Mai beginnen auf den beiden Stadtautobahnen und Zufahrtsstraßen Rama 4 und Sathorn Road Straßenschlachten mit Barrikaden und scharfen Waffen.
Das Militär beginnt, mit scharfer Munition zu schießen, erhält Schießbefehl und Scharfschützen positionieren sich.
Die Roten schwören, "bis zum letzten Blutstropfen" zu kämpfen, die "Gelben"(Regierung) kündigt an, dass die Schulferien eine Woche verlängert werden und dass das Land zwar um die Opfer trauern müsse, aber trotzdem den Kurs halten und Recht und Ordnung wieder her stellen müsse. Wahlen sollen immer noch stattfinden.
Thaksin feuert seine Anhänger an.
Mittlerweile erreichen die Opferzahlen über 30, auf Reporter, Frauen und Kinder wird gleichermaßen geschossen. Die Bilder sind dramatisch, die Stimmung gespalten, die Situation eskaliert.
Vom König hört man nichts mehr, vor 1 Monat hat er appelliert, eine friedliche Lösung zu finden. Am Krönungstag am 5. Mai wurde er bei Zeremonien im Fernsehen präsentiert, aber präsent in der Politik ist Bhumipol nicht.
Das Militär kündigt an, dass es wohl nicht "schnell" vorbei gehen wird, in den betroffenen Gebieten schließen viele Geschäfte und eine Ausgangssperre ab 18.00Uhr wird eingesetzt.
Ich hoffe, dies kann ein bisschen Klarheit in die Geschehnisse bringen. Insgesamt fühle ich mich NICHT bedroht, das Goethe Institut wurde Freitag Mittag geschlossen und bleibt es erst einmal bis Mittwoch, aber wir stehen in regem Kontakt, alleine sein muss keiner.
Meine Hauptinfoquellen sind momentan diese:
http://www.thaivisa.com/forum/Thailand-News-clippings-f18.html
Bangkok Post
The Nation
und
Schönes Thailand
Beim Lesen: Nation und Bangkok Post sind sehr regierungsfreundlich, Schönes Thailand? dagegen die deutschsprachige rote Propagandaseite.
Hier bei mir zu Hause höre ich im Moment viele Schüsse, die kreisenden Hubschrauber, aber dennoch sind die Nebenstraßen sicher.
Meine persönliche Prognose(obwohl ich mich, wie jeder andere auch, schon 300mal geirrt habe):
Die Regierung/Militär ziehen es (blutig) durch, es gibt mehrere hundert Tote in 1-2 Wochen. Das Militär setzt eine Übergangsregierung ein, im November gibt es Neuwahlen. Die Roten gewinnen und das Spiel mit den gelben Protesten geht von neuem los...
Wer unbedingt eine Karte haben will, der gebe bei Google Maps
a) Goethe Institut Thailand
b) Lumpini Park ein
Dort arbeite ich(wohne um die Ecke) und dort in der Nähe passiert das meiste. Es sieht aber näher aus, als es ist, ich und die meisten anderen fühlen sich sicher!
Keine Sorge, ich spiel auch nicht den Helden und bin nicht zu neugierig.
Bilder gibt es heute keine, aber Updates öfter - versprochen
Good Night and Good Luck!
Montag, 22. Februar 2010
W(h)at`s Up?
Vorab ein paar obligatorische Fakten:
Betrachtete Region:
Thailand
Größte Religion:
Buddhismus (genauer: Theravada – Buddhismus )
Bekennende Buddhisten:
Ca. 95% , wir können also ruhigen Gewissens von einer homogenen religiösen Landschaft sprechen.
Nun, ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht(sonst wäre die Sache ja nach einem guten Wikipedia Artikel erledigt und Religionswissenschaftler schnell(er) arbeitslos).
Denn: in Thailand gibt existiert besagte buddhistische Schule natürlich nicht in „Reinform“(solches gibt es ja insgesamt eher selten, auch wenn manche das Gegenteil behaupten mögen…); in die religiöse Praxis vor Ort haben sich neben einigen hinduistischen Elementen auch noch einige ältere animistische und panentheistische Vorstellungen eingeschlichen und auch einige Hexenkulte werden praktisch am Leben erhalten.
Dies findet Ausdruck in diversen Dingen, eins davon zum Beispiel diverse Tätowierungen in alter Khmer-Schrift, die zumeist Zaubersprüche zur Abwendung böser Zauber sind(oft zu finden bei Motorradtaxi- und TukTuk-Fahrern. Offenbar haben alte Götter auch den Sprung von berittener Kavallerie und Schlachten zu Blech und Hauptstraßen geschafft). Meistens sind Tätowierungen (bei Menschen jenseits der 25) aber eher in niedrigeren Einkommens- und Gesellschaftsschichten anzutreffen. Als Modeobjekt kommt es erst langsam in Mode und auch die bei uns bekannten „Arschgeweihe“ gibt es dann (vor allem in Pattaya) ab und an zu bestaunen, meistens wohl als Liebeszauber und ein nach einem Blick in die Visastelle der deutschen Botschaft wohl auch recht erfolgreich…
Die Amulette dagegen sind unabhängig und an jedem Markt mit mehr als 2 Ständen erhältlich, in allen Formen und Farben: als Ganesha, Buddha, *religionswissenschaftleraus* als obskurer alter, ausgemergelter alter Mönch mit Glatze und irrem Blick *religionswissenschaftleran* als überdimensionaler(hoffentlich ) Phallus, diverse Drachen, Kröten und natürlich das Wahrzeichen Thailands: der Elefant. Auch bekannt als Chang. Manche Amulette bestehen auch aus Elfenbein, aus Metallröhrchen mit buddhistischen Gebetsformeln (also auf Sanskrit), aus Büffelhaaren, Federn, alten Münzen und manchmal auch aus Reliquien besonderer spiritueller Personen(also meistens aus toten alten Männern).
Besagte Amulette haben auch besondere Kräfte inne, können vor Geistern schützen und haben für einen unglaublich lächerlichen Preis meist auch noch einige andere tolle Eigenschaften
Ein Element, dass man definitiv nicht bestreiten kann, ist die Tatsache, dass sie die Klassen vereinen, denn man sieht erfolgreiche(also monetär) Geschäftsleute, Mönche, Barmädchen, Lehrer(in der Gesellschaft hoch angesehen, wenn auch nicht hoch entlohnt) und Schüler, genauso wie Filmstars, Taxifahrer und Köche.
Wobei grundsätzlich gilt, bis auf die sehr offensichtlichen Talismane können die meisten das, was man gerade von Ihnen braucht. Im Alltag fest verankert sind auch die sogenannten Geisterhäuschen. Diese Gebäude findet man normalerweise vor jedem Haus, an dessen Errichtung Thais beteiligt waren. Meist entweder direkt vor dem Haus oder auf dem Dach, sind diese kleine Gebäude, die von einfachen Konstruktionen mit Ähnlichkeiten zu einem Vogelhaus reichen bis hin zu kunstvollen und großen Gebilden, die schon von weitem beeindrucken. Jeden Morgen(ohne Ausnahme) werden dort Opfer dargebracht – Räucherstäbchen entzündet, Essen dargereicht und ein kurzes Gebet oder eine kurze Andacht. Nachdem ich die erste Verwunderung verwunden hatte, und auch den Geruch nicht mehr so exotisch fand und auch nicht mehr dachte „oh wie schööön….“ Bin ich der Sache dann doch mal auf den Grund gegangen und habe durch teilnehmende Beobachtung und Leitfadeninterviews heraus gefunden, was es damit auf sich hat: und voilá:
Die Geisterhäuschen sind ganz einfach und selbstverständlich errichtet, damit der ehemals dem Grundstück ansässige Geist, der nun durch die rücksichtlosen Menschen vertrieben wurde, nun ein neues Heim hat und nicht Rache an den Frevlern übt. Ganz einfach also.
Diese Gebilde finden sich aber ziemlich ausnahmslos an jedem Gebäude, ob es jetzt ein Luxushotel, wie das Millenium Hilton ist, eine Wellblechhütte in den Slums im Außenbereich Bangkoks oder auch so etwas weltliches wie das Siam Paragon Shopping Center – sie alle haben ein Geisterhäuschen, wobei man den Status des Gebäudes oder der Besitzer auch oft genug ablesen kann am Stil und an den Verzierungen. Thailändische Bei thailändischen geistern kommt es wohl auf die Größe an…
Religion spielt hier also auch im dichtesten Alltag und an jeder Hauptverkehrsstraße eine wichtige Rolle, auch wenn sie oft unterzugehen scheint.
Und diese Alltagstauglichkeit ohne strafenden Gott, ohne Sünden, Ablass und böse Hierarchien ist es ja, was den Buddhismus so romantisch erscheinen lässt. Denn wenn man jetzt Mist baut, gibt es ja noch das nächste Leben. So die Vorstellung und so auch das Credo vieler Thais. Das führt einerseits dazu, dass man wirklich sehr tolerant wirkt, bzw. dass das Leben, bis auf ein paar bunte Statuen und Zeremonien ab und zu sehr säkular wirkt und ein gläubiger Mensch(als die sich hier wahrscheinlich wirklich die 95% bezeichnen würden) durch seine Religiösität immer noch das machen kann, was ihm gefällt. Auch tolerant ist der Buddhismus, denn wo es keinen EINEN Gott und nicht DEN Weg gibt, kann man ja auch nicht den solitären alleinigen Wahrheitsanspruch haben und andere durch Blutvergießen von der eigenen Barmherzigkeit überzeugen, nicht wahr?
Na ja – fast: die Realität sieht leider so aus, dass es auch im Buddhismus Glaubenskriege gab, der Buddhismus mit seiner Kette aus Karma und Dharma kann auch wunderbar umfunktioniert werden als Herrschaftsinstrument, in dem eben jeder seinen angestammten und „verdienten“ Platz in der Befehlskette hat.
Was allerdings stimmt, ist die Toleranz gegenüber anderen Religionen, was aber leider auch viele zu dem Irrglauben verleitet, dass es im Buddhismus nicht auch ein paar absolute NoGos gibt, Tabus, die man einfach nicht brechen sollte und die einem mehr als einen schlechten Ruf einbringen. Denn auch, wenn die thailändische Kultur von Zurückhaltung geprägt ist, bedeutet es nicht, dass man alles machen darf, nur weil man nicht sofort angeschrien wird.
Beispiele dafür liefert Ayuthaya einige: dort ist gibt es noch viele Tempel(Wat – get it?), die meisten leider zerstört(wie mir meine burmesischen Begleiterinnen regelmäßig ins Gedächtnis gerufen haben;) ). Ein paar Beispiele habe ich ja gestern schon gegeben, und weil ich heute in Schreiblaune bin(und zudem noch ein wenig Zeit an meinen kurzen Fingern habe) gibt es noch mehr.
Natürlich 1: Schuhe aus!
2: Nicht über andere betende Hinüber steigen, immer außen herum
3: die Regel mit den Füßen gilt zwar nirgends in Thailand so richtig, aber in Tempeln sollte man nicht mit den nackten Füßen auf andere Menschen zeigen
Das sind eigentlich die wichtigsten, davon abgesehen schaut auch die farangs niemand komisch an, wenn sie beten, Mönche sind Alltag, auch alltagstauglich(vereinzelt kaufen sie auch dezentral gelagerte günstige Kopien von ansonsten sehr teurer Software…) und ein kurzer Wai vor dem Buddha für Thais angebracht.
A pro po Mönche und alltagstauglich: meine arme romantische Seele musste schon etwas leiden unter dem Anblick der asketischen, vorbildlichen spirituellen Vorbilder, die sich auf dem Weg zur Erleuchtung und dem Pfad der weltlichen Entsagung in der Pause während der Busfahrt erstmal genüsslich ne Kippe anstecken. Oder sich im Pantip Plaza mit fast legaler Software eindecken…Nun ja, der Weg ist wohl lang und staubig, vielleicht kommt die Erleuchtung wenn man ein paar mal stolpert doch schneller…
Leider muss ich die besten Bilder mal wieder auf morgen verschieben, aber immerhin hab ich diesmal ein paar und auch Lesefutter ist Futter, ein bisschen Fantasie ist in unserem Medienzeitalter vielleicht auch ein ganz gutes Training;) Diese Woche gibt es auch meine Lieblingstempel…
So long,
Micha
Mein Lieblingselefantengott in verdienter Pracht:)
Ein Geister"häuschen" in nächtlicher Pracht
Was man als guter Gläubiger halt so darbringt:)
Montag, 8. Februar 2010
The Reminder
Was ist also das Gesicht des Sextourismus in Bangkok?
Es ist nicht das Gesicht Pattayas, die Stadt, die nur aus einem einzigen riesigen Rotlichtviertel besteht…es ist auch nicht die Straße, an der ein Spiegel am Zaun, um sich dort für ihre Freunde hübsch zu machen, gelangweilt Kette zu rauchen und schmale Jungs in hautengen Tanktops lässig an der Ecke stehen.
Vielmehr als die Stripclubs, Go-Go Bars und Einladungen zu Ping Pong Shows auf der Khao San Road und in Pattaya ist es der ganz normale Alltag, der nur ab und zu irritiert.
Das durchschnittliche Gewand des Frauentourismus ist hier nicht ein kleines Kind, dass ein 60-jähriger an der Hand mit nach Hause nimmt, sondern vielmehr das Lachen von zwei betrunkenen Europäern Anfang 30, die in einer Kneipe sitzen und für 10€ die Zeit ihres Lebens haben und sich wie Könige fühlen, dabei absolut armselig aufführen. Die sich hier ihren Traum vom Playboy Millionär erfüllen wollen, dabei alles haben, was es zu Hause nicht gibt, Luxus, Macht und Frauen. Ganz oben sind sie ganz unten angekommen, lachen immer noch über die eigenen Witze, während ihre Begleiterinnen einen Schmollmund ziehen, gelangweilt schauen und sich hin wieder zu einem angedeuteten gespielten Lächeln hinreißen lassen – auf Einladung.
Nicht die Sünde oder die exotisch-erotischen Eroberungen sind es, die hier so verlocken, es ist das Gefühl, Geld(man selber) könne alles kaufen und wer das Geld hat bestimmt alles, hat Recht. Obwohl vorhanden, wird der typische Europäer in diesem Land selten an Tore kommen, die ihm verschlossen sind, die zu teuer und edel sind. Verführerisch scheint man nie in die Situation zu kommen, etwas nicht kaufen zu können, eine Situation nicht mit einem elegant gezückten Geldschein zu lösen…
Ob es jetzt ein Kaufrausch auf einem der Märkte, Malls ist oder die Lokalrunde in der Lieblingsbar – alles scheint käuflich und alles scheint billig und nur darauf zu warten, dass Herr (oder Frau) nicht zusätzlich zu den Bäuchen auch noch ein schweres Portemonnaie(ich werde niemals einknicken!) tragen müssen.
Natürlich ist das nur ein kleiner Teil, aber (zu) viele Leute führen sich in diesem Land auf, als wäre Geld die einzige Sensibilität, die man mitbringen müsste. Nur weil man Eintritt bezahlt, hat man kein Hausrecht in Tempeln, sollte sich trotzdem respektvoll anziehen(und benehmen), links und rechts das Geld schmeißen und zwischen respektvoll und unterwürfig liegt eine feine Linie.
Zumindest in Bangkok wird es auch ermutitgt, wenn man durch die Shoppingmeile der Ratchathewri zieht - das SiamParagon, Central World, MBK, die Straße auf der 10 Einkaufszentren nebeneinander liegen in Dimensionen, die die USA wie den schwachen kleinen Bruder aussehen lassen. Wo man sofort von einem Verkäufer umgarnbt wird(ohne aufdringlich zu sein), wo man 4 Euro für eine Stunde Massage bekommt und alles auf den schnellen Konsum und Genuss ausgelegt ist. Frauen sind hier noch Dekoration und der Kunde mehr als ein König. Um mal wieder einen pfiffigen Bezug zum Titel zu ziehen(ja, geschickte Rundumschläge sind eins der hunerten von Talenten, die man benötigt, um meinen Job hier Beitragender an diesem journalistisch einzigartigen Blog zu bekommen) möchte ich gerne an eine abgedroschene Sache erinnern:
Man kann sich vielleicht viel Dinge kaufen, aber denkt bitte daran: nicht alles was man für Geld kaufen kann, ist auch was wert.
Um mit einem deutschen Zitat zu schließen:
„Ich lege Euch ganz besinders ans Herz, nie zu vergessen, dass die Kultur des siamesischen Volkes viel älter ist als die unsrige(sic!). Nach dem Respekt, den ihr dieser Kultur erweist, wird sich die Wertschätzung richten, die die Siamesen Euch entgegenbringen(sic!)“1
Bilder folgen…dafür jetzt mit Fußnote:)
1: Staatsekretär von Stephan 1890 in Berlin 1890 zu den deutschen Posträten, die das Post- und Telegrafensystem in Deutschland ausbauen sollten.
Montag, 11. Januar 2010
It's Been Awhile
Ich habe lange nichts von mir hören lassen, ich weiß, dennoch habe ich meinen Blog nur vernachlässigt, aber nicht ausgesetzt.
Zu meiner Verteidigung kann ich aber anbringen, dass ich wirklich sehr viel zu tun hatte –
Ende des Jahres war ich nämlich noch auf meinem ganz persönlichen eigenen Visarun vom 12.-15. Dezember in Singapur, dem Land der Ordnung und Sauberkeit. Das Gegenteil von Abenteuerurlaub. Heimat der Eskimos(glaube ich zumindest, da alle ihr Haus in einen Iglu verwandelten…)
Thailand mag nämlich das Land des Lächelns sein, aber nicht der offenen Grenzen; deswegen musste ich, im Anbetracht eines bald auslaufenden Visums dann einen Abstecher nach Singapur machen und dort die thailändische Botschaft in das Sightseeing Programm zu integrieren. Singapur, weil die Botschaft dort gut organisiert sein soll.
Gereist wurde diesmal zu dritt, Philipp und Liss, die an der Schweizer Schule sind, braucht auch ein neues Dokument um wieder Asyl zu erlangen und so erkundeten wir Singapur zu dritt, optimistisch und dank lückenhaftem Allgemeinwissens auch ohne Vorurteile.
Nun mag Singapur vor allem berühmt sein als das Land, in dem Kaugummi verboten ist, aber nur wenige wissen, dass auch Homosexualität dort immer noch strafbar ist und dies das einzige Land der Welt ist, in dem man nichts Duty Free einkaufen kann. Soviel zu den Vorzügen und Vorurteilen, kommen wir zu dein Eindrücken, des Platzes wegen in Stichpunkten und Bildern.
Also: Singapur hat 4 Amtssprachen und auch wenn es nicht glänzt, wie in einer Werbung für Bodenreiniger, so ist es doch um Einiges sauber als die Stadt der Engel(wahrscheinlich auch als die in Nordamerika) und was die Mülleimer angeht, ist es ein wenig, wie in einen Zerrspiegel zu schauen…während man in Bangkok stundenlang seinen Müll mitschleppt, fehlt in Singapur nur, dass einem jemand den Müll aus der Hand nimmt.
Interessant war aber, wie gut die 4 Sprachigkeit funktioniert – es sind wirklich alle Schilder in 4 Amtssprachen gehalten: Chinesisch, Hindi, Englisch und Indonesisch. Auch die Mischung scheint sehr konfliktfrei zu sein, auch wenn die Regierung das durch Wohnquoten(zur Verhinderung von Ghettobildung) regelt. In Chinatown hat das dann zur Folge gehabt, dass ich zum ersten Mal in Worte fassen konnte, was ich am Stadtstaat so merkwürdig fand. Es ist alles dort, was man von einer asiatischen Metropole erwartet: Europäer, Shopping Center, viel Essen, Marktstände und Tempel mitten zwischen den Hochhäusern, aber dadurch, dass es so aufgeräumt ist, macht alles den Eindruck, als würde man durch die Disneyversion laufen, alles ist ausgeschildert, organisiert, die Menschen achten auf die Ampeln und man hat ständig das Gefühl, bestimmt gerade irgendeine Regel zu brechen. Verstärkt wurde das surreale Gefühl mal wieder durch die Vorweihnachtszeit; natürlich auch bei 32 Grad, aber hier habe ich es dann einfach wie einem Freizeitpark akzeptiert, wo ja mutierte Mäuse und Enten auch jeden Tag feiern;) Mit diesem Gedanken im Hinterkopf waren dann die Christmas Carolers nicht mehr so schlimm, obwohl ich dann auf einmal den merkwürdigen Drang zu Zuckerwatte, Achterbahn zu fahren und Eis essen hatte.
An der Visastelle hat letztendlich auch alles gut funktioniert, aber wir haben eine Lektion in Höflichkeit und thailändisches Beamtenwesen erhalten. Weil meine Mitstreiter ein „falsches“ Einladungs-/Bürgungsschreiben mithatten und 10 Minuten versucht haben, der Frau zu erklären, dass wir keine Arbeitserlaubnis haben und ihre Kollegen in Thailand sich weigern, das zu machen, was sie uns nahe legte, gab es im Haus das (bestimmt) Verrückte macht, die lückenlose Argumentation „No more argument on this counter!“ und wir waren unserer Audienz entlassen. Glückicherweise haben wir dann doch am nächsten Tag alle unser richtiges Visum bekommen and all was well, wie eine ganz bestimmte Britin jetzt sagen würde.
Viel gesehen haben wir von der Stadt nicht, wir sind viel ziellos durch die Straßen gewandert, aber am spannendsten war immer noch Little India, in dem wir auch wohnten, in einer süßen Hostel die so gar nicht Singapurisch war in der Hinsicht, dass sie bezahlbar war.
Gelohnt hat sich der Trip aber allein schon wegen der Möglichkeit, das Gruppenverhalten von Tausenden von indischen Männern zu beobachten. Denn am Sonntag, dem 13.12.2009 muss wohl irgendetwas Wichtiges passiert sein, denn ganz Little India(und ich meine GANZ!) war vollkommen überfüllt und verstopft mit Indern, die alle nur auf der Straße rumstanden und ihre Schnurrbärte präsentierten. Es war so voll, dass man sich kaum bewegen konnte, aber alle standen nur herum und das Unheimliche an der Situation war, dass es nur Männer waren. Madness in any direction. Keinen einzigen Sari sah man, keine Kurta, die Frauen waren weg – vielleicht können sie sich ja verwandeln, als Ethnologe bleib ich dran;)
Am nächsten Tag war alles wieder normal und aus Sparta wieder Singapur geworden(von wegen Madness, hehe)
So als Abschluss ist Singapur interessant, aber länger als 3-4 Tage bleiben lohnt sich nicht, die Stadt hat im Quest des Perfektionismus und im Bestreben, krampfhaft den „tollen Westen“ nachzuahmen, leider seinen ganzen Charakter verloren. Interessant, aber als Reiseziel extra nicht spannend. Schön- das ganz sicher, aber, um die Worte eines sympathischen Fresinger Hip Hop Quintetts zu sagen: Auch „manches Lied hat den Schwachpunkt, das es zu glatt und perfekt klingt“.
Ach ja, falls irgendjemand weiß, mit wem Singapur mal im Krieg stand, ich würde es gerne wissen, auf einer alten Festung stand immer nur, dass die Kanonen und Waffen durch geschickte Verhandlungen nie gegen „den Feind“ eingesetzt wurden…wer war der Feind!?
Mittwoch, 4. November 2009
Mondscheinsonate
Das Lichterfest! Romantisch, hübsch und lustig, alles auf einmal! Der Name verspricht Großes, nicht wahr?
Konkret verbirgt sich hinter dem hübsch klingenden Namen ein sehr altes Volksfest, dessen Ursprünge man nicht genau weiß, sicher ist, dass es typisch thailändisch ist, denn zwischendurch und danach gibt es was zu essen.
Die Götter haben also beschlossen, mich auch am Loy Krathong teilhaben zu lassen und ahnungslos wie ich war, musste ich dazu initiiert werden, unter der sachkundigen Anleitung der traditionsbewussten thailändischen Vorbastler.
In Ermangelung einer mysteriösen, verrauchten dunklen Höhle und mangels eines echten Dschungels in Khrung Thep, in den man geführt werden könnte, ging es also den Flur hinunter. Immerhin war es windig und Donner hörte man auch. Von weitem hörte man auch schon die fernen Klänge einer exotischen alten Kultur, die sich mit ein bisschen Phantasie auch als gutturale ethnische Musik hören ließ, denn wer will schon bei einem uralten fest moderne thailändische Coverversionen von mittelmäßigem 80er Jahre Rock hören?
Unsere Initiationshöhle war also Raum 12.
Bedrohlich und notdürftig erhellt nur vom flackernden Schein der Neonröhre mit sporadischen Ausfällen, lagen auch schon alle Instrumente da:
- Erbarmungslos in Scheiben gesägte Palmenstämme
- bei Vollmond gesammelte Bananenblätter
- Spitze Machinismen, die in diesem Ritual zusammen halten, was nicht zusammen gehört(Nägel und Reißzwecken)
- Bizarre, fremde Gewächse aus einer anderen Welt(Blumen)
- Unheilige Lichter, verlockend und tödlich(Kerzen)
- Entsinnende und ominöse Nebel (Räucherstäbchen)
- Und schließlich: die Flaggen des Opfers und der vollständigen Hingabe(Gebetswimpel)
Ausgestattet mit diesen Utensilien konnte also gar nichts mehr schief gehen.
Wir setzten uns zu acht an den Altar(Tisch) und begannen unsere Zeremonie.
Jeder bekam ein Stück Palme, das dann zugleich mit den Blättern geschmückt wurde. „Seid kreativ“ war die Devise.
Es wurde also fleißig gebastelt, Blätter wurden in Kronen-Zacken-Form gefaltet, Kreise wurden ausgeschnitten, Nägel wurden heimlich zu Dutzenden als Tragbalken verwendet und in dieser Runde erfuhren die Thailänder dann auch von der deutschen Institution Waldorfschule.;) Während manche der fleißigen Bastler durch Ästhetik, Symmetrie UND durchdachtes Design glänzten, waren andere froh, wenn die Blätter entfernt so hielten wie sie sollten.
So stand dann das bedachte Abzählen der einzelnen Blattadern gegenüber dem pragmatischen Ansatz „jede Form die hält, ist eine gute Form“. Gerade, filigrane Monumente schauten würdevoll auf die gefallenen Ruinen von verplanter Größe und verwegenem Übermut. Das Buch der Bücher hatte einen illustrierten Gastauftritt, als mein Turm zu Babel sich auch mit Nägeln nicht mehr retten ließ…
Am Ende stand dann aber vor jedem ein Prachtexemplar von Krathong. Jedes Einzelne liebevoll dekoriert und gestaltet, manche mit Ganesha-Blumen in leuchtendem Gelb, Orchideen in zarten Lilatönen und einer unterschiedlichen Anzahl an Gebetswimpeln.
Manche verzichteten auf Blumen und steckten andächtig einen Zweig für jedes Familienmitglied ins Floß, andere hatten eine Märchenlandschaft aus grünen Blättern geschaffen, während ein anderes Floß dem Garten Eden entsprach.
Ich hatte mich für viele Ganesha - Blumen entschieden, um die dutzende an benutzen Nägeln zu verdecken Gemeinsam war allen eine Kerze und drei Räucherstäbchen.
Die Kerze ist wegen dem…Lichterfest. Große Überraschungen und Symboliken bleiben hier leider aus.
Die drei Räucherstäbchen hingegen stehen
a) Für Buddha und seine Wahrheiten
b) Für die Ahnen und das Opfer und die Anerkennung, die man ihnen un der Geisterwelt zollt
c) Für einen selber und die Wünsche, die in Erfüllung gehen sollen.
Die oben erwähnten Fahnen waren dagegen wieder freiwillig.
Insgesamt steht das fest vor allem für Dankbarkeit dafür, dass man genug (sauberes) Wasser hat und man entschuldigt sich, dass man das Wasser benutzt und verschmutzt - wobei manche sich mit Styropor Krathongs entschuldigen...
Nun war 18.00Uhr und damit Zeit für ein erstes Abendessen.
Um ca. 19.00Uhr machte sich unsere Prozession dann auf, in Richtung des ehrwürdigen Lumpini Parks.
Stolz hielten wir unsere geweihten Machenschaften hoch, nur ein wenig besogrt, ob der Wind unsere Werke zerstören und das Wasser sie wohl tragen würde.
An den Toren des Einlasses, begehrten hunderte andere den Selbigen und schnöde Massenfabrikanten, verkauften vor den Toren fertige Krathongs.
Handwerklich geschickt und mit der Übung der tausend waren sie zwar hübsch anzusehen, doch fehlte ihnen eindeutig das Herzblut und die Hingabe, welche die Unsrigen auszeichneten.
Mittlerweile war es dunkel geworden, der Mond stand hoch und wachte über das Treiben. Wir waren überrascht über die schiere Masse an freien Plätzen, denn zu unserem Erstaunen waren nicht annähernd so viele Menschen gekommen, wie erwartet.
Das Wasser glomm nicht in einem Meer aus Krathongs, sonder war vielmehr eine große dunkle Fläche, durchbrochen von vereinzeltem Kerzenschein auf sanft wogenden Wellen.
Wir umrundeten das Gewässer, in froher Erwartung des nun anstehenden Rituals( an dieser Stelle sei kurz eingeworfen, dass der durchschnittliche Thailänder in Bangkok versucht, am Tag weniger als 30 Schritte zu gehen; es sei denn beim Shopping), geschickt die Wind und Bevölkerungsverhältnisse ausnutzend und uns zu Eigen machend.
Nach einem gefühlten Gewaltmarsch angekommen, begann auch die Magie. Das heißt, die Magie wurde durch schnöden Mammon eingeleitet, denn damit man einen Wunsch hat, muss man 1Baht opfern, also ging erstmal das Austauschen von Kleingeld los. Aber dann war es soweit:
Wir sangen das Loy Krathong Lied, das wir(die Farangs) vorher mühsam (so gut wie möglich) aufgeschrieben und gelernt hatten, um in einem wundervollen, engelsgleichen Chor in perfekter Harmonie zu ertönen;)
Dann wurde ein Feuerzeug herum gereicht und jeder entzündete erst die Kerze, an dieser dann die Räucherstäbchen und nacheinander knieten wir uns ans Wasser, um unsere Wünsche und Hoffnungen auf die Reise zu schicken.
Einem kurzen Moment der Panik und der Resignation vor der eigentlichen Jungfernfahrt folgte dann auch die gebannte Spannung, als das Floß tatsächlich schwamm und mit nahm.
Jeder hatte einen kurzen, innigen Moment mit sich selbst und seinen Wünschen.
Man erzählt auch hier seine Wünsche nicht und im Internet werde ich dies natürlich auch nicht tun. Es hat etwas Schönes mit den Menschen um herum zu tun, der Zukunft, immer schon da ist und dem Weg, den ich eingeschlagen habe.
Das Schöne am Fest fand ich, dass es eine sehr persönliche Sache ist, die man gleichzeitig mit anderen feiert. Jeder macht das Gleiche, jeder bastelt ein Krathong, aber jedes hat einen individuellen Charakter und hinter jedem stecken andere Gedanken. Man macht sich gemeinsam auf, teilt den Moment, bis auf das eigentliche Wünschen.
Der Moment wird so besonders und so spürbar, gerade dadurch, dass man etwas Einzigartiges in die Vergänglichkeit entlässt und dies mit Freude tut. In diesem Moment des Loslassens hat man alles in der Hand.
Kitschig entlasse ich Euch jetzt nur noch damit, dass wir danach noch essen warenJ, das Feuerwerk auf dem Chao Phraya angeschaut haben, natürlich Bildern und dem Text unserer thailändischen Mondscheinsonate - ha! wenn das kein gekonnter Zirkelschluss zum Titel war;) :
Bis dahin,
lg, Micha
Die fleißigen Bastler!
Stolze Präsentation
Lichter...Sounds like a melody...
Loy loy krathong, loy loy kratong
Loy krathong gun leaw kor chern nong keaw oog ma rum wong
Rum wong wan loy krathong, rum wong wan loy krathong
Boon ja song hai raouw sook jai
Boon ja song hai raouw sook jai.
Und Übersetzung:
Loy, Loy Krathong, Loy, Loy Krathong,
wir liessen unsere Krathongs schwimmen, und bitten die Mädchen Ram Wong zu tanzen,
Ram Wong am Loy Krathong Tag, Ram Wong am Loy Krathong Tag!
Gute Taten bringen uns Gück,
gute Taten bringen uns Glück! "
Montag, 2. November 2009
The Man Who Sailed the World…
In der letzen Woche habe ich mich um die Organisation der Ausstellung gekümmert, die mir immer noch Sorgen bereitet, die aber nächste Woche Montag stehen wird soll, aber als kompetenter „young professional“ ist das ja kein Problem. Wenn ich jetzt noch rein bringe, dass ich aus Deutschland bin, habe ich sogar ein Stichwort für den nächsten Satz, denn:
Die German Open Young Professionals in Bangkok sorgen für das richtige catering, bzw. den Kontakt, denn eine deutsche Feierlichkeit ohne Bier ist ja keine Feierlichkeit! Deswegen wird es so etwas Ähnliches wie Weisse mit Schuss geben. Wer durch diese Werbung jetzt neugierig geworden ist, muss leider herkommen um sich von der Qualität zu überzeugen.
Qualität ist übrigens das, was man von einem Regenschirm hier erwarten sollte.
Denn im Land des Lächelns kann zumindest in der Regenzeit der Himmel auch anders.
Innerhalb von 1-2 Minuten können sich 35° heiss Sonnenschein ohne Vorwarnung auch in 35° heiss und Wasserfall verwandeln.
Dann regnet es 1 Stunde(im Idealfall) bis zu den ganzen Tag(same same) und 200m Weg zu Fuss reichen meistens, um äußerlich einem dem Badeurlaub fröhnenden Thailänder entgegen zu kommen. Denn gebadet wird meistens sittsam und bekleidet(abgesehen von den komischen Farangs).
Dem Regen in Thailand sind indes noch einige weitere bemerkenswerte Eigenschaften inne:
- taucht der Regen auf, verschwinden Taxis; oft sieht man dann beneidenswert wetterresistente Menschen verzweifelt die Arme ausstrecken, in verzweifelter Anrufung eines Sonnengottes, der furchtbar weit entfernt scheint
- Regen in Thailand ist in soziale Schichten eingeteilt:
1. Es gibt den kleinen, armen Regen, der mühsam aufzieht und leise sein Werk verrichtet. Er fällt auf die ahnungslosen Menschen und nur in der Masse vermag er etwas auszurichten, dabei verfügt gerade diese Gattung über die wenigsten Ressourcen und erschöpft sich am schnellsten.
2. Dann gibt es die verruchten Kreise, sie ziehen ihre Kraft nicht aus dem eigentlichen Regen selber, sondern aus den Geschehnissen davor und danach. Sie ziehen die Fäden, bleiben unsichtbar und sind doch allgegenwärtig. Man fühlt sich in ihrer Gesellschaft wohl, sie scheinen einen vor den Gefahren des Wassers bewahrt zu haben und nur allzu gerne vertraut man sich diesem so einladend erscheinendem Freund an. Doch dann schnürt einem diese Atmosphäre die Kehle zu, das Wasser tropft von einem selber und man merkt, dass diese Kreise ein doppeltes Spiel treiben, sie pressen das Wasser heraus und legen es einem scharf an die Klinge, bis man schließlich erschöpft zusammenbricht und sich dem nervigen, aber wenigstens treuen Freund der Klimaanlage ausliefert.
3. Die dritte Art ist auf elegante Weise bombastisch. Dieser Regen ist zu elegant und hat zu viel klasse, um pöbelig auf einen nieder zu prasseln. Dieser Regen erfüllt die ganze Welt mit seiner Nässe, stellt eine Wand auf, in die man hineinlaufen muss. Ein halb transparenter Schleier aus Wasser legt sich über die Landschaften und Städte. Ein Schleier, der eine neugierig machende Ahnung erlaubt, aber keine Gewissheiten oder gar Unanständiges verrät. Schmeichelnd legt sich die warme Wand um Einen, raubt einen durch die schiere Fülle die eigene Leere und doch erdrückt einen diese Opulenz, sind die Intrigen, in die man gerät, doch zu rutschig und fließen am ganzen Körper, durchfluten den Geist, bis man an nichts anderes mehr denkt und endlich Zuflucht in einfacherer Gesellschaft sucht, die einen nicht erdrückt, die aber auch nicht diese Aufregung bietet.
Doch eins ist allen Arten gemein: die Weise, in der sie sich ohne Warnung anschleichen, von hinten erfassen und nicht loslassen, bis man ein Teil von ihnen scheint, bis man ihre Kinder, Geschwister und Teile mit in sein Heim bringt, in dem sie dann den Geruch der Vermoderung hinein tragen.
Diese und weitaus mehr Studien könnten bestimmt diejenigen machen, die sich dem Regen stellen müssten. Die Einkaufen gehen und mit Computer unter dem Arm erwischt werden. Die abends nach Hause gehend eiskalt aus einer Ecke angesprungen werden. Die nichtsahnend die Sonne verwünschen und danach das Wasser. Diejenigen, die nur 200m zu Fuss gehen möchten um das Taxi zu sparen und auf dem Weg eine Übungsstunde im Freistil bekommen. Die sich überlegen, auf dem Weg noch etwas einzukaufen und dann mit einer Wassertüte gratis nach Hause kommen. Die die U-Bahn durch einen Aufguss in einen 1. Klasse Saunazug verwandeln.
Diese Geschichten könnte man erzählen doch ich habe zum Glück meinen Regenschirm.
Seit Freitag.
Heute mit Film - beeindrucken statt bewegen...Technik überbrückt inhaltliche Mängel:)